Alfred Lichtenstein

Punkt

Die wüsten Straßen fließen lichterloh durch den erloschnen Kopf. Und tun mir weh. Ich fühle deutlich, daß ich bald vergeh – Dornrosen meines Fleisches, stecht nicht so. Die Nacht verschimmelt. Giftlaternenschein Hat, kriechend, sie mit grünem Dreck beschmiert. Das Herz ist wie ein Sack. Das Blut erfriert. Die Welt fällt um. Die Augen stürzen ein.

Mondlandschaft

Oben brennt das gelbe Mutterauge. Überall liegt Nacht wie blaues Tuch. Fraglos ist, daß ich jetzt Atem sauge. Ich bin nur ein kleines Bilderbuch. Häuser fangen Träume bunter Schläfer Wie in Netzen in den Fenstern auf. Autos kriechen wie Marienkäfer Leuchtende Straßen hinauf.

Liebeslied

Helle Länder sind deine Augen. Vögelchen sind deine Blicke, Zierliche Winke aus Tüchern beim Abschied. In deinem Lächeln ruh‘ ich wie in spielenden Booten. Deine kleinen Geschichten sind aus Seide.

Aschermittwoch

Gestern noch ging ich gepudert und süchtig In der vielbunten tönenden Welt. Heute ist alles schon lange ersoffen. Hier ist ein Ding. Dort ist ein Ding. Etwas sieht so aus. Etwas sieht anders aus. Wie leicht pustet einer die ganze Blühende Erde aus. Der Himmel ist kalt und blau. Oder der Mond ist gelb und …

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