Anette von Droste-Hülshoff

Wasser

Der Mittag, der Fischer Alles still ringsum — Die Zweige ruhen, die Vögel sind stumm. Wie ein Schiff, das im vollen Gewässer brennt, Und das die Windsbraut jagt, So durch den Azur die Sonne rennt Und immer flammender tagt. Natur schläft — ihr Odem steht, Ihre grünen Locken hangen schwer, Nur auf und nieder ihr …

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Für meine Mutter

So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise; Die Gabe, die für andre immer wacht, Hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise. Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr, Und wie ich auch die Reime mochte stellen, Des Herzens Fluten wallten darüber her, Zerstörten mir des Liedes …

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Im Grase

Süße Ruh‘, süßer Taumel im Gras, Von des Krautes Arom umhaucht, Tiefe Flut, tief, tief trunkne Flut, Wenn die Wolke am Azure verraucht, Wenn aufs müde schwimmende Haupt Süßes Lachen gaukelt herab, Liebe Stimme säuselt und träuft Wie die Lindenblüth‘ auf ein Grab. Wenn im Busen die Todten dann, Jede Leiche sich streckt und regt, …

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Durchwachte Nacht

Wie sank die Sonne glüh und schwer, Und aus versengter Welle dann Wie wirbelte der Nebel Heer, Die sternenlose Nacht heran! -Ich höre ferne Schritte gehn, – Die Uhr schlägt Zehn. Noch ist nicht alles Leben eingenickt, Der Schlafgemächer letzte Türen knarren, Vorsichtig in der Rinne Bauch gedrückt Schlüpft noch der Iltis an des Giebels …

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Der Knabe im Moor

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn, Wenn es wimmelt vom Heiderauche, Sich wie Phantome die Dünste drehn Und die Ranke häkelt am Strauche, Unter jedem Tritte ein Quellchen springt, Wenn aus der Spalte es zischt und singt! – O schaurig ist’s übers Moor zu gehn, Wenn das Röhricht knistert im Hauche! Fest hält die …

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