B. Heinrich Brockes

Kirschblüthe bey Nacht

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte Jüngst einen Kirsch-Baum, welcher blüh‘ te, In küler Nacht beym Mondenschein; Ich glaub’t, es könne nichts von größrer Weiße seyn. Es schien, ob wär‘ ein Schnee gefallen. Ein jeder, auch der klein’ste, Ast Trug gleichsam eine rechte Last Von zierlich- weissen, runden Ballen. Es ist kein Schwan so weiß, da …

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Frühlingsseufzer

Grosser GOtt, in dieser Pracht Seh‘ ich Deine Wunder -Macht Aus vergnüg’ter Seelen an. Es gereiche dir zu Ehren, Daß ich sehen, daß ich hören, Fühlen, schmecken, riechen kann!

Die kleine Fliege

Neulich sah ich, mit Ergetzen, Eine kleine Fliege sich, Auf ein Erlen-Blättchen setzen, Deren Form verwunderlich Von den Fingern der Natur, So an Farb‘, als an Figur, Und an bunten Glantz gebildet. Es war ihr klein Köpfgen grün, Und ihr Körperchen vergüldet, Ihrer klaren Flügel Paar, Wenn die Sonne sie beschien, Färbt ein Roth fast …

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Ach Herr!

Ach HERR! eröffne mein Verständniß! Ach gieb mir Weisheit und Erkäntniß / Der Dinge Wesen zu betrachten / Und in denselben dich zu achten / Weil alles / Dich zu ehren/lehrt. Nicht nur der Himmel Raum / nicht nur der Sonnenschein / Ein Stäubchen / ist bewunderns wehrt.