Detlev Liliencron

Vorfrühling am Waldrand

In nackten Bäumen um mich her der Häher, Der ewig kreischende, der Eichelspalter, Und über Farnkraut gaukelt nah und näher Und wieder weiter ein Citronenfalter, Ein Hühnerhabicht schießt als Mäusespäher, Pfeilschnell, knicklängs vorbei dem Pflugsersthalter, Der Himmel lacht, der große Knospensäer Und auf den Feldern klingen Osterpsalter.

Schöne Junitage

Mitternacht, die Gärten lauschen, Flüsterwort und Liebeskuß, Bis der letzte Klang verklungen, Weil nun alles schlafen muß – Flußüberwärts singt eine Nachtigall. Sonnengrüner Rosengarten, Sonnenweiße Stromesflut, Sonnenstiller Morgenfriede, Der auf Baum und Beeten ruht – Flußüberwärts singt eine Nachtigall. Straßentreiben, fern, verworren, Reicher Mann und Bettelkind, Myrtenkränze, Leichenzüge, Tausendfältig Leben rinnt – Flußüberwärts singt eine …

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„Es zog eine Hochzeit den Berg entlang“

Sie sang das Lied, die Worte sind verklungen, Die Finger liegen lässig auf den Tasten, Es wächst der Mond aus leichten Dämmerungen Und grüßt ins Fenster, die Gedanken rasten. Hört sie Musik? Vor hundert frischen Jungen Flog grün ein Attila mit Silberquasten, Durchs Herz geschossen ruht er, schlachtverschlungen, Im grünen Attila mit Silberquasten.

Einen Sommer lang

Zwischen Roggenfeld und Hecken Führt ein schmaler Gang; Süßes, seliges Verstecken Einen Sommer lang. Wenn wir uns von ferne sehen, Zögert sie den Schritt, Rupft ein Hälmchen sich im Gehen, Nimmt ein Blättchen mit. Hat mit Ähren sich das Mieder Unschuldig geschmückt, Sich den Hut verlegen nieder In die Stirn gedrückt. Finster kommt sie langsam …

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An der Grenze

Noch fliegt die Schwalbe ein und aus Und flitzt im Wege auf und ab. Doch aus des Pappelbaumes Flaus Sprang schon ein gelbes Knöpfchen ab. Noch treibt der bunte Schmetterling Auf den grünen Wiesen hin und her. Ein Fädchen, das am Hute hng, Kams schon von kahlen Koppeln her? Vereinzelt noch ein treues Wort Und …

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Acherontisches Frösteln

Schon nascht der Staar die rothe Vogelbeere, zum Entekranze juchheiten die Geigen, Und warte nur, bald nimmt der Herbst die Scheere Und schneidet sich die Blätter von den Zweigen, Dann ängstet in den Wäldern eine Leere, Durch kahle Äste wird ein Fluß sich zeigen, Der schläfrig an mein Ufer schickt die Fähre, Die mich hinüberholt …

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