Eduard Mörike

Zum Neujahr

Mit einem Taschenkalender An tausend Wünsche, federleicht, Wird sich kein Gott noch Engel kehren, Ja, wenn es so viel Flüche wären, Dem Teufel wären sie zu seicht. Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu Dem andern den Kalender segnet, So steht ein guter Geist dabei. Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet, Ob …

Zum Neujahr Weiterlesen »

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen, Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen.

In der Frühe

Noch kühlt der Schlaf mein Auge nicht, Dort zittert schon des Tages Licht An meinem Kammerfenster; Es wühlet mein verstörter Sinn Noch zwischen Zweifeln her und hin, Und schaffet Nachtgespenster. Seele, Quäle Bang und bänger Dich nicht länger! Freu‘ dich schon sind da und dorten Morgenglocken wach geworden!

Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel, Die Wolke wird mein Flügel, Ein Vogel fliegt mir voraus! Ach, sag‘ mir, alleinzige Liebe, Wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe! Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus. Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüthe offen, Sehnend Sich dehnend In Lieben und in Hoffen. Frühling, was …

Im Frühling Weiterlesen »

Frage und Antwort

Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam, Und warum ich ihr nicht lange Schon den bittern Stachel nahm? Sprich: woher mit Geisterschnelle Wohl der Wind die Flügel rührt, Sprich, woher die süße Quelle Die verborgnen Wasser führt? Banne du auf seiner Fährte Mir den Wind in vollem Lauf! Halte mit der …

Frage und Antwort Weiterlesen »

Er ist’s

Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde leise kommen. -Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bists! Dich hab ich vernommen!

Einer verehrten Frau

Man sagt, an solchen Tagen sei es Pflicht, Sich selber einen Spiegel vorzuhalten: Ich bring ihn dir; verschmäh dies Blümchen nicht! Es soll dir deinen eignen Wert entfalten. Sieh der bescheidenen Reseda Blüte, Ein Bild der Menschenfreundlichkeit, Die ohne Prunk, voll innerer Herzensgüte, Den Wohlgeruch der tät’gen Liebe streut.

Das verlassene Mägdelein

Frueh, wann die Haehne kraehn, Eh die Sternlein verschwinden, Muss ich am Herde stehn, Muss Feuer zuenden. Schoen ist der Flammen Schein, Es springen die Funken; Ich schaue so drein, In Leid versunken. Ploetzlich, da kommt es mir, Treuloser Knabe, Dass ich die Nacht von dir Getraeumet habe. Traene auf Traene dann Stuerzet hernieder; So …

Das verlassene Mägdelein Weiterlesen »

Am Walde

Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage, Dem Kukuck horchend, in dem Grase liegen; Er scheint das Tal gemaechlich einzuwiegen Im friedevollen Gleichklang seiner Klage. Da ist mir wohl, und meine schlimmste Plage, Den Fratzen der Gesellschaft mich zu fuegen, Hier wird sie mich doch endlich nicht bekriegen, Wo ich auf eigne Weise mich behage. Und …

Am Walde Weiterlesen »

Auf ein Ei geschrieben

Ostern ist zwar schon vorbei, Also dies kein Osterei; Doch wer sagt, es sei kein Segen, Wenn im Mai die Hasen legen? Aus der Pfanne, aus dem Schmalz Schmeckt ein Eilein jedenfalls, Und kurzum, mich tät’s gaudieren, Dir dies Ei zu präsentieren, Und zugleich tät es mich kitzeln, Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln. Die …

Auf ein Ei geschrieben Weiterlesen »