Franz Grillparzer

Weihnachten

Am heilgen Christtagabend Den Kindern man beschert, Da ist denn eitel Freude An Wägelchen und Pferd. Am heilgen Christtagabend, Obgleich ich längst kein Kind, Hat man mir auch bescheret, Gut, wie die Menschen sind. Man gab mir einen Kummer, Man gab mir eine Qual, Die tief am Leben naget, Das längst schon geht zu Tal. …

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Was je den Menschen

Was je den Menschen schwer gefallen, Eins ist das Bitterste von Allen: Vermissen, was schon unser war, Den Kranz verlieren aus dem Haar; Nachdem man sterben sich gesehen, Mit seiner eignen Leiche gehen.

Trennung

So laß uns scheiden denn, tuts not zu scheiden, Allein als Freunde, ohne Groll und Haß. Ein unerklärtes Etwas zwischen beiden Stört den Erguß und hemmt ohn Unterlaß. Ob ich dies Etwas, ewig störend, kenne? O gebe Gott, daß ich es nicht erkannt! Denn ist es, was ich denk, obgleich nicht nenne, So bist du, …

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Sorgenvoll

Mein Kummer ist mein Eigentum, Den geb‘ ich nicht heraus. Was gut wohl sonst an mir und schlimm, Besitzt und teilt! Das hab‘ und nimm! Mit ihm nur halt‘ ichs haus. Und wie der Geiz’ge seinen Schatz Des Nachts besieht bei Licht, So zähl ich ihn, wenn alles Ruh, Entsprungne Körner leg‘ ich zu Und …

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Jubelfeier

Der Mann bracht‘ es auf siebzig gar; das heißt: Von seinem siebenten Jahr hat all sein Wirken von Kind bis jetzt nur eine Null ihm zugesetzt.

Licht und Schatten

Schwarz ihre Brauen, weiß ihre Brust Klein mein Vertrauen, Groß doch die Lust. Schwatzhaft mit Blicken, Schweigend die Zung‘, Alt das Mißglücken Wunsch immer jung; Arm was ich brachte, Reich meine Lieb‘, Warm was ich dachte, Kalt was ich schrieb.

Kuss

Auf die Hände küsst die Achtung, Freundschaft auf die offne Stirn, Auf die Wange Wohlgefallen, Sel’ge Liebe auf den Mund; Aufs geschlossne Aug‘ die Sehnsucht, In die hohle Hand Verlangen, Arm und Nacken die Begierde, Überall sonst die Raserei.

In Politik…

In Politik zwei wichtge kleine Dinger Sind Daumen eben und Zeigefinger, Sie halten die Feder, Das weiß ein jeder. Doch Wichtges noch wird oft durch sie betrieben, Wenn sie sich übereinander schieben.

Diplomatischer Rat

Ein Marder fraß die Hühner gern, Doch wußt‘ er nicht, wie sie erhaschen; Er fragt den Fuchs, ’nen alten Herrn, Dem Steifheit schon verbot das Naschen. Der sagt ihm: „Freund, der Rat ist alt, Was hilft zu zögern, – brauch Gewalt!“ Der Marder stürmt in vollem Lauf, Die Hühner aber flattern auf, Die eine gackernd, …

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Der Räuber und der Wolf

Ein Wolf, ein grauses Scheusal der Natur, Der Schrecken aller Schäfer auf der Flur, Hielt, hingestreckt auf grüne Matte, Ein Lamm, das er zerrissen hatte, Und, ungerührt von herben Klagen Der Mutter, er davongetragen, In seiner Klau und fraß. Ein Räuber sah Das blutge Paar. Raubgierig schrie er, ha! Schmeckts, guter Freund? – Mit seinem …

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Das Alter ist fürwahr

Das Alter ist fürwahr beklagenswert – Das wußt ich lang, doch heute fühl ichs erst. Indes die andern jüngeren Genossen Ihr Herzgefühl in frischem Wirken zeigten, Bleibt mir ein Wünschen bloß, nur dürftig Wollen. Der alte Kopf behält nun schwer das Wort, Das andere ihm legten in den Mund; Allein das Wort, das aus des …

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