Friedrich Hebbel

Zur Geburt

Wir wünschen euch und eurem Kinde an Glück, soviel das Herz nur faßt. Und ein Wilkommensangebinde sei Gruß dem neuen Erdengast. Er soll ein braver Junge werden und euch zur Freude gut gedeih’n. Ihm leuchte im Gestrüpp auf Erden des Lebens schönste Sonnenschein. Euch Eltern aber sei beschieden, was ihr nur wünscht für euch und …

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Vorfrühling

Wie die Knospe hütend, Daß sie nicht Blume werde, Liegt’s so dumpf und brütend Über der drängenden Erde. Wolkenmassen ballten Sich der Sonne entgegen, Doch durch tausend Spalten Dringt der befruchtende Segen. Glühnde Düfte ringeln In die Höhe sich munter. Flüchtig grüßend, züngeln Streifende Lichter herunter. Daß nun, still erfrischend, Eins zum andern sich finde, …

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Sommerbild

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn, Sie war, als ob sie bluten könne, rot; Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn: So weit im Leben, ist zu nah am Tod! Es regte sich kein Hauch am heißen Tag, Nur leise strich ein weißer Schmetterling; Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag Bewegte, sie empfand …

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Sie sehn sich nicht wieder

Von dunkelnden Wogen Hinunter gezogen, Zwei schimmernde Schwäne, sie schiffen daher, Die Winde, sie schwellen Allmählich die Wellen, Die Nebel, sie senken sich finster und schwer. Die Schwäne, sie meiden Einander und leiden, Nun tun sie es nicht mehr, sie können die Glut Nicht länger verschließen, Sie wollen genießen, Verhüllt von den Nebeln, gewiegt von …

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Ich und du

Wir träumten voneinander Und sind davon erwacht, Wir leben, um uns zu lieben, Und sinken zurück in die Nacht. Du tratst aus meinem Traume, Aus deinem trat ich hervor, Wir sterben, wenn sich eines Im andern ganz verlor. Auf einer Lilie zittern Zwei Tropfen, rein und rund, Zerfließen in eins und rollen Hinab in des …

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Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft ist still, als atmete man kaum, und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält; denn heute löst sich von den Zweigen nur, was …

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Abendgefühl

Friedlich bekämpfen    Nacht sich und Tag. Wie das zu dämpfen,    Wie das zu lösen vermag! Der mich bedrückte,    Schläfst du schon, Schmerz? Was mich beglückte,    Sage, was war’s doch, mein Herz? Freude wie Kummer,    Fühl ich, zerrann, Aber den Schlummer    Führten sie leise heran. Und im Entschweben,    Immer empor, Kommt mir das Leben    Ganz wie …

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