Friedrich Hölderlin

Winter

Wenn sich das Laub auf Ebnen weit verloren, So fällt das Weiß herunter auf die Tale, Doch glänzend ist der Tag vom hohen Sonnenstrahle, Es glänzt das Fest den Städten aus den Toren. Es ist die Ruhe der Natur, des Feldes Schweigen Ist wie des Menschen Geistigkeit, und höher zeigen Die Unterschiede sich, dass sich …

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Sonnenuntergang

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir   Von aller deiner Wonne; denn eben ist’s,      Daß ich gelauscht, wie, goldner Töne        Voll, der entzückende Sonnenjüngling Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt‘;   Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.     Doch fern ist er zu frommen Völkern,       Die ihn ehren, hinweggegangen.

Menschenbeifall

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll, Seit ich liebe? warum achtetet ihr mich mehr, Da ich stolzer und wilder, Wortreicher und leerer war? Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt, Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen; An das Göttliche glauben Die allein, die es selber sind.

Lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, Doch es kehret umsonst nicht Unser Bogen, woher er kommt. Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht, Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, Herrscht im schiefesten Orkus Nicht ein Grades, ein Recht noch auch? Dies erfuhr ich. Denn nie, …

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Lebensalter

Ihr Städte des Euphrats! Ihr Gassen von Palmyra! Ihr Säulenwälder in der Eb’ne der Wüste, Was seyd ihr? Euch hat die Kronen, Dieweil ihr über die Gränze Der Othmenden seid gegangen, Von Himmlischen der Rauchdampf und Hinweg das Feuer genommen; Jetzt aber sitz‘ ich unter Wolken (deren Ein jedes eine Ruh hat eigen) unter Wohleingerichteten …

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Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde …

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Empedokles

Das Leben suchst du, suchst, und es quillt und glänzt Ein göttlich Feuer tief aus der Erde dir, Und du in schaudernden Verlangen Wirfst dich hinab in des Aetna Flammen. So schmelzt‘ im Weine Perlen der Übermuth Der Königin; und mochte sie doch! hättst du Nur deinen Reichthum nicht, o Dichter! Hin in den gährenden …

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Der Zeitgeist

Zu lang schon waltest über dem Haupte mir Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit! Zu wild, zu bang ist’s ringsum, und es rümmert und wankt ja, wohin ich blicke. Ach! wie ein Knabe, seh‘ ich zu Boden oft, Such‘ in der Höhle Rettung von dir, und möcht‘ Ich Blöder, eine Stelle finden, …

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Der Winter

Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen, Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet. Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben, Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel, …

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Der Winkel von Hahrdt

Hinunter sinket der Wald, Und Knospen ähnlich, hängen Einwärts die Blätter, denen Blüht unten auf ein Grund, Nicht gar unmündig Da nämlich ist Ulrich Gegangen; oft sinnt, über den Fußtritt, Ein groß Schicksal Bereit, an übrigem Orte.

Der Abschied

Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat? Ach! wir kennen uns wenig, Denn es waltet ein Gott in uns. Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst, Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe, Dies, dies Eine vermag ich nicht. Aber …

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Der Abschied

Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat? Ach! wir kennen uns wenig, Denn es waltet ein Gott in uns. Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst, Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe, Dies, dies Eine vermag ich nicht. Aber …

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An Zimmern

Von einem Menschen sag ich, wenn der ist gut Und weise, was bedarf er: Ist irgend eins, Das einer Seele gnüget: ist ein Halm, ist Eine gereifteste Reb auf Erden Gewachsen, die ihn nähre: Der Sinn ist des Also. Ein Freund ist oft die Geliebte, viel Die Kunst. O Teurer, dir sag ich die Wahrheit. …

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An eine Rose

Ewig trägt im Mutterschoße, Süße Königin der Flur, Dich und mich die stille, große; Allbelebende Natur. Röschen, unser Schmuck veraltet, Sturm entblättert dich und mich; doch der ewge Keim entfaltet Stets zu neuer Blüte sich!

Abendphantasie

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt Der Pflüger; dem Genügsamen raucht sein Herd. Gastfreundlich tönt dem Wanderer im Friedlichen Dorfe die Abendglocke. Wohl kehren izt die Schiffer zum Hafen auch, In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube Glänzt das gesellige Mahl den Freunden. Wohin denn ich? Es leben die …

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