Friedrich Nietzsche

Vereinsamt

Die Krähen schrein Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: Bald wird es schnein – Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat! Nun stehst du starr, Schaust rückwärts ach! wie lange schon! Was bist Du Narr Vor Winters in die Welt – entflohn? Die Welt – ein Tor Zu tausend Wüsten stumm und kalt! Wer …

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Nach neuen Meeren

Dorthin – will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, ins Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glänzt mir neu und neuer, Mittag schläft auf Raum und Zeit – : Nur dein Auge – ungeheuer Blickt mich’s an, Unendlichkeit!

Meine Rosen

Ja! Mein Glück – es will beglücken – alles Glück will ja beglücken! Wollt ihr meine Rosen pflücken? Müßt euch bücken und verstecken zwischen Fels und Dornenhecken, oft die Fingerchen euch lecken! Denn mein Glück – es liebt das Necken! Denn mein Glück – es liebt die Tücken! – Wollt ihr meine Rosen pflücken? [1882]

Ecce homo

Ja! Ich weiß, woher ich stamme! Ungesättigt gleich der Flamme Glühe und verzehr‘ ich mich. Licht wird Alles, was ich fasse, Kohle Alles, was ich lasse: Flamme bin ich sicherlich.

Der Herbst

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz! Flieg fort! flieg fort! – Die Sonne schleicht zum Berg und steigt und steigt Und ruht bei jedem Schritt. Was ward die Welt so welk! Auf müd gespannten Fäden spielt Der Wind sein Lied: die Hoffnung floh – er klagt ihr nach… Dies ist …

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An der Brücke stand

An der Brücke stand jüngst ich in brauner Nacht. Fernher kam Gesang: goldener Tropfen quoll’s über die zitternde Fläche weg. Gondeln, Lichter, Musik – trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus … Meine Seele, ein Saitenspiel, sang sich, unsichtbar berührt, heimlich ein Gondellied dazu, zitternd vor bunter Seligkeit. – Hörte Jemand ihr zu? …