Gottfried Keller

Am fließenden Wasser

Hell im Silberlichte flimmernd Zieht und singt des Baches Welle, Goldengrün und tiefblau schimmernd Küsst sie flüchtig die Libelle; Und ein drittes kommt dazu, Eine Blüte hergeschwommen: Alle haben drauf im Nu Heitern Abschied schon genommen. Und die Esche beugt sich drüber, Schaut in Ruh das holde Treiben, Denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber, Ich will …

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Erster Schnee

Wie nun alles stirbt und endet Und das letzte Rosenblatt Müd sich an die Erde wendet, In die warme Ruhestatt: So auch unser Tun und Lassen, Was uns heiß und wild erregt, Unser Lieben, unser Hassen Sei ins welke Laub gelegt! Reiner, weißer Schnee, o schneie, Schneie beide Gräber zu, Daß die Seele uns gedeihe …

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Berliner Pfingsten

Heute sah ich ein Gesicht, Wonnevoll zu deuten: In dem frühen Pfingstenlicht Und beim Glockenläuten Schritten Weiber drei einher, Feierlich im Gange, Wäscherinnen, fest und schwer! Jede trug ’ne Stange. Mädchensommerkleider drei Flaggten von den Stangen; Schönre Fahnen, stolz und frei, Als je Krieger schwangen, Blau und weiß und rot gestreift, Wunderbar beflügelt, Frisch gewaschen …

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