Heinrich Heine

Zu fragmentarisch ist Welt und Leben

Zu fragmentarisch ist Welt und Leben! Ich will mich zum deutschen Professor begeben. Der weiß das Leben zusammenzusetzen, Und er macht ein verständlich System daraus; mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen Stopft er die Lücken des Weltenbaus.

Wir haben viel für einander

Wir haben viel für einander gefühlt, Und dennoch uns gar vortrefflich vertragen. Wir haben oft „Mann und Frau“ gespielt, Und dennoch uns nicht gerauft und geschlagen. Wir haben zusammen gejauchzt und gescherzt, Und zärtlich uns geküßt und geherzt, Wir haben am Ende, aus kindischer Lust, „Verstecken“ gespielt in Wäldern und Gründen, Und haben uns so …

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Wanderlied

Nacht liegt auf den fremden Wegen, Krankes Herz und müde Glieder, – Ach! Da fließt, wie stiller Segen, Süßer Mond, dein Licht hernieder. Süßer Mond, mit deinen Stralen Scheuchest du das nächt’ge Grauen; Es zerrinnen meine Qualen, Und die Augen überthauen.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln

Wenn die Kinder sind im Dunkeln wird beklommen ihr Gemüt, und um ihre Angst zu bannen, singen sie ein lautes Lied. Ich, ein tolles Kind, ich singe jetzo in der Dunkelheit; klingt das Lied auch nicht ergötzlich, hat’s mich doch von Angst befreit.

Viele Weiber, viele Flöhe

Viele Weiber, viele Flöhe, Viele Flöhe, vieles Jucken – Tun sie heimlich dir ein Wehe, Darfst du dennoch dich nicht mucken. Denn sie rächen, schelmisch lächelnd, Sich zur Nachtzeit – Willst du drücken Sie ans Herze, lieberöchelnd, Ach, da drehn sie dir den Rücken.

Nimmer glaub ich, junge Schöne

Nimmer glaub ich, junge Schöne, Was die spröde Lippe spricht; Solche große schwarze Augen Solche hat die Tugend nicht. Diese braungestreifte Lüge, Streif sie ab; ich liebe dich. Laß dein weißes Herz mich küssen ­ Weißes Herz, verstehst du mich?

Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht, Ich kann nicht mehr die Augen schließen. Und meine heißen Tränen fließen. Die Jahre kommen und vergehn! Seit ich die Mutter nicht gesehn, Zwölf Jahre sind schon hingegangen; Es wächst mein Sehnen und Verlangen. Mein Sehnen und Verlangen wächst. Die alte …

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Leise zieht durch mein Gemüt

Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute. Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite. Kling hinaus, bis an das Haus, Wo die Blumen sprießen, Wenn du eine Rose schaust, Sag, ich laß sie grüßen.

Die Jahre kommen und gehen

Die Jahre kommen und gehen, Geschlechter steigen ins Grab, Doch nimmer vergeht die Liebe, Die ich im Herzen hab‘. Nur einmal noch möcht‘ ich dich sehen, Und sinken vor dir aufs Knie, Und sterbend zu dir sprechen: Madame, ich liebe Sie!

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere Und seufzte lang und bang, Es rührte sie so sehre Der Sonnenuntergang. Mein Fräulein! Sei’n Sie munter, Das ist ein altes Stück; Hier vorne geht sie unter Und kehrt von hinten zurück.

Auf Flügeln des Gesanges

Auf den Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag‘ ich dich fort, Fort nach den Fluren des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort. Dort liegt ein rothblühender Garten Im stillen Mondenschein; Die Lotosblumen erwarten Ihr trautes Schwesterlein. Die Veilchen kichern und kosen Und schau’n nach den Sternen empor; Heimlich erzählen die Rosen Sich duftende Mährchen ins …

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