Karl Henckell

Weihnachtssaat

Gen Himmel groß durch Winterland Und weiße Sternennacht Ein Sämann schreitet bis zum Rand Der fernsten Wehr und Wacht. Er schreitet mit gewaltigem Schritt Den Riesenacker ab Und mißt den blutigen Ernteschnitt An Helm und Kreuz und Grab. Vor manchem Hügel schneeumhüllt Da stockt des Sämanns Fuß, Er neigt das Haupt von Schmerz erfüllt Und …

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Ruhe, meine Seele!

Nicht ein Lüftchen regt sich leise, sanft entschlummert ruht der Hain; durch der Blätter dunkle Hülle stiehlt sich lichter Sonnenschein. Ruhe, ruhe, meine Seele, deine Stürme gingen wild, hast getobt und hast gezittert, wie die Brandung, wenn sie schwillt. Diese Zeiten sind gewaltig, bringen Herz und Hirn in Not – ruhe, ruhe, meine Seele, und …

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Mein Neujahrswunsch

Was ich erwarte vom neuen Jahre? Daß ich die Wurzel der Kraft mir wahre, Festzustehen im Grund der Erden, Nicht zu lockern und morsch zu werden, Mit den frisch ergrünenden Blättern Wieder zu trotzen Wind und Wettern, Mag es ächzen und mag es krachen, Dunkel zu rauschen, hell zu lachen Und im flutenden Sonnenschein Freunden …

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Himmelfahrt

Bunte Blumen, grüne Büsche, Burschen, Mädchen Arm in Arm, In der kühlen Morgenfrische Locker schlendernder Frühlingsschwarm. Übernächtige Gesichter, Lange, lange noch nicht matt, Lebenslustiges Gelichter, Lange, lange noch nicht satt. »Heut lieb‘ ich die Susanne Und morgen die Marianne, Halli, Hallo! Wir leben so – Vom lustigen Berge in die lustige Stadt.« Der da mit …

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Einem fernen Freund

Mit dem »Du« im Herzen darf man schweigen, Um so tiefer dann sein Innres zeigen, Wenn die Stunde kommt, da ganz allein Leben sich dem Leben drängt zu weihn . . . Und es ist ein still beständig Wissen, Und es ist ein ruhiges Vertrauen: Unser Freundeskranz wird unzerrissen Schweben in Maienlüften wie in rauhen …

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