Karl Mayer

Vorgefühl

O welche Sprache, leis metallen, Spricht aus den fernen Glockenhallen! Ihr blauen Lüfte, gebt Belehrung, Woher dieß Ahnen der Verklärung?

Sommerreise

Blaudunkler, als die Lüfte blühn, sahn Nelken aus dem Saatengrün. Den schönsten Farbengruß entbot Durchsichtig, feuerpurpurrot der Ackermohn dem Sonnentag, und ob das Entzücken lag als Lerchensang in klarer Luft, berauscht von süßem Segensduft. Da gab es viel zu sehn, zu preisen und langsam ging es mit dem Reisen.

Nach langem Leben

Mein Loos ist, viel zu überleben, Und werd ich einst vorüberschweben, So sei der Rückblick mir gepriesen Auf’s Schöne, was Gott gewiesen. Ist dann vorbei der Deutschen Schmach, So jubl‘ ich meinem Leben nach.

Mein Innerstes

Tief in mich, du enges Leben, Hast du meinen Sinn gepreßt; Willst die Worte frei nicht geben, Innen hältst du streng sie fest. Manchem kann ich mich ergießen Traulich in das Angesicht; Dort nur muss ich mich verschließen, Wo das Herz am wärmsten spricht. Bin ich ferne, strömt die Rede, Nah‘ ich, ist die Rede …

Mein Innerstes Weiterlesen »

Meine Gegend

Preist Eure Gegend meinethalb! Ich sehe, wenn ich steige, bald Den Schwarzwald und die Schwabenalp, Im Fernduft Frankens Odenwald. Ich denk‘ herum auf ihren Höhn Und fühle deutsch und wohne schön!

Leider

Die deutsche Strömung ward zum Sumpf, Die deutsche Freiheit zuckt als Rumpf!

Die Gewölke

Masse Wolken ob den Wäldern, Nasse Pfad‘ in Thal und Feldern, Alles üppig sommerlich! Üppig traurig bin ich auch ich; Hängt doch ach ob meinem Volke Schwarze, schwere Unglückswolke!