Matthias Claudius

Hochzeitsgesang

Stand ein junges Veilchen auf der Weiden, Lieb und herzig in sich und bescheiden! Und ein wackrer Jüngling über Land kam hin Da das Veilchen stand! Und er sah das Veilchen auf der Weiden, Lieb und herzig in sich und bescheiden, Sah es an mit Liebe und mit Lust, Wünscht es sich an seine Brust! …

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Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel Und dringt durch alles sich; Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel Und schlägt sie ewiglich.

Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen Vorüber! Ach, vorüber! Geh wilder Knochenmann! Ich bin noch jung, geh Lieber! Und rühre mich nicht an. Der Tod Gib deine Hand, du schön und zart Gebild! Bin Freund, und komme nicht, zu strafen. Sei gutes Muts! ich bin nicht wild, Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und …

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Der Mensch

Empfangen und genähret vom Weibe wunderbar, kömmt er und sieht und höret und nimmt des Trugs nicht wahr; gelüstet und begehret und bringt sein Tränlein dar; verachtet und verehret, hat Freude und Gefahr; glaubt, zweifelt, wähnt und lehret, hält nichts und alles wahr; erbauet und zerstöret und quält sich immerdar; schläft, wachet, wächst und zehret; …

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Anselmuccio

Ist gar ein holder Knabe, er! Als ob er’s Bild der Liebe wär. Ist klein und zart und weiß und roth, Hat große Lust an Butterbrod, Hat blaue Augen, gelbes Haar, Ist froh und freundlich immerdar, Hat Arm und Beine, rund und voll, Und alles, was man haben soll. Nur eines fehlt dir, lieber Knabe! …

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