Nikolaus Lenau

Winternacht

Vor Kälte ist die Luft erstarrt, Es kracht der Schnee von meinen Tritten, Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart; Nur fort, nur immer fortgeschritten! Wie feierlich die Gegend schweigt! Der Mond bescheint die alten Fichten, Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt, Den Zweig zurück zur Erde richten. Frost! friere mir ins Herz hinein, Tief …

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Schilflieder

Auf dem Teich, dem regungslosen, Weilt des Mondes holder Glanz, Flechtend seine bleichen Rosen In des Schilfes grünen Kranz. Hirsche wandeln dort am Hügel, Blicken in die Nacht empor; Manchmal regt sich das Geflügel Träumerisch im tiefen Rohr. Weinend muss mein Blick sich senken; Durch die tiefste Seele geht Mir ein süßes Deingedenken, Wie ein …

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Nebel

Du, trüber Nebel, hüllest mir Das Tal mit seinem Fluß, Den Berg mit seinem Waldrevier Und jeden Sonnengruß, Nimm fort in deine graue Nacht Die Erde weit und breit! Nimm fort, was mich so traurig macht, Auch die Vergangenheit!

Der Eichwald

Ich trat in einen heilig düstern Eichwald, da hört ich leis und lind Ein Bächlein unter Blumen flüstern, Wie das Gebet von einem Kind; Und mich ergriff ein süßes Grauen, Es rauscht‘ der Wind geheimnisvoll, Als möcht er mir was anvertrauen, Das noch mein Herz nicht wissen soll; Als möcht er heimlich mir entdecken, Was …

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Bitte

Weil‘ auf mir, du dunkles Auge, Uebe deine ganze Macht, Ernste, milde, träumerische, Unergründlich süße Nacht! Nimm mit deinem Zauberdunkel Diese Welt von hinnen mir, Daß du über meinem Leben Einsam schwebst für und für.