Richard Dehmel

Vaters Geburtstag

Schnell, schnell, Besen, Feg die Stube rein Wenn Väterchen zum Kaffee kommt, Muss alles sauber sein! Wisch, wisch, Lappen, Über Stuhl und Schrank Wenn Väterchen zum Kaffee kommt, Sind sie blitzeblank! Blüh, Blüh, Blume, Blüh recht frisch Wenn Väterchen zum Kaffee kommt, Stehst du auf dem Tisch! Herz, Herzmuttchen, Schnell das neue Kleid Bis Väterchen …

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Ruf

Immer stiller stehn die Bäume, nicht ein Blatt mehr scheint zu leben, und ich fühle Wüstenträume durch den bangen Mittag beben, bis ins bange Blut mir zittern, bis ins Herz, wie Feuerpfeile. O, ich lechze nach Gewittern! Komm, Geliebte! eile! eile!

Predigt ans Großstadtvolk

Ja, die Großstadt macht klein. Ich sehe mit erstickter Sehnsucht durch tausend Menschendünste zur Sonne auf; und selbst mein Vater, der sich zwischen den Riesen seines Kiefern- und Eichen-Forstes wie ein Zaubermeister ausnimmt, ist zwischen diesen prahlenden Mauern nur ein verbauertes altes Männchen. O lasst euch rühren, ihr Tausende! Einst sah ich euch in sternklarer …

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Nachtgebet einer Braut

O mein Geliebter – in die Kissen bet ich nach dir, ins Firmament! O könnt ich sagen, dürft er wissen, wie meine Einsamkeit mich brennt! O Welt, wann darf ich ihn umschlingen! O laß ihn mir im Traume nahn, mich wie die Erde um ihn schwingen und seinen Sonnenkuß empfahn. Und seine Flammenkräfte trinken, ihm …

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Landung

Mein weißer Schwan vor mir, noch ziehn wir leise auf dunkler Flut durch unser Morgengrauen, zur blassen Ferne, wo die Wellenkreise dem jungen Tage hoch entgegenblauen. So lassen wir uns tragen, weiter tragen, und golden wird der dunkle Wasserbogen, bis wir die seligen Inseln sehen ragen im Glanz der Frühe aus den stillen Wogen. Da …

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Hoffnung

Es ist ein Schnee gefallen, hat alles Graue zugedeckt, die Bäume nur gen Himmel nicht; bald trinkt der Schnee das Sonnenlicht, dann wird das alles blühen, was unter unsern Bäumen jetzt kaum Wurzeln streckt.

Bewegte See

Noch Einmal so! Im Nebel durch den Sturm, das Segel knatterte, die Schiffer schrieen, das Bugspriet stand im Wasser wie ein Turm, ich fühlte deine Angst in meinen Knieen und sah dein stolz und fremd Gesicht. Noch Einmal wollte mir dein Auge drohn, wie eine Flamme stand dein Haar im Winde, und in den Wellen …

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