TIMO ERTEL

„Flucht vor der Wirklichkeit“

Wir fliehen,
nicht mit Koffern,
sondern mit Bildschirmen,
mit Serien,
mit endlosen Feeds,
mit Gedanken,
die alles erklären
— nur nicht uns selbst.
Wir reden von Freiheit
und meinen Entzug.
Wir reden von Sinn
und meinen:
„Es ist egal.“
Eskapismus
ist die Kunst,
nicht da zu sein,
wo das Leben stattfindet.
Nihilismus
ist die Theorie,
dass es sich nicht lohnt.
Doch während wir
die Welt wegscrollen,
gestaltet sie sich
ohne uns —
und mit allen Folgen.
Zynismus
wird unsere Rüstung,
Ironie
unser Alibi,
Apathie
unsere Ruhebank.
Bis wir merken:
Wer ständig flieht,
lernt nie zu stehen.
Und wer allem Sinn abspricht,
spricht auch sich selbst ab.
Wirklichkeit
ist nicht nett.
Aber sie ist das Einzige,
was wir gestalten können.
Darum:
Nicht fliehen.
Nicht verneinen.
Gestalten.
Haltung
statt Betäubung.
Grundsätze
statt Vorsätze.
Wirklichkeit
statt Kaffeesatzleserei.

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