Lexikon

Abecedarium

Jedes Wort, Vers oder Strophe beginnt mit einem neuen Buchstaben des Alphabets, was in einfacher Form (ABCDEF…) oder in verschlungener Form (AZBWCV…) auftreten kann. Ein Abecedarius oder Abecedar ist ein Gedicht, in dem dieses Stilmittel genutzt wird.

Beispiele:
Psalm 119 von Luther (Das güldene ABC)
Im Kinderbuch „Mein Urgroßvater und ich“ schrieb James Krüss einen umgekehrten Abecedarius („Zanthens Yacht Xanthippe war völlig unberechenbar […]“

Alexandriner

Der Alexandriner ist ein sechshebiger jambischer Vers, der insgesamt zwölf oder 13 Silben besitzt, je nachdem ob er eine männliche oder weibliche Kadenz aufweist. Nach der dritten Hebung weist der Alexandriner eine feste Zäsur auf.

Akrostichon

Ein Akrostichon ist eine Gedichtsform, in der die Buchstaben am Anfang aller Verse hintereinander gelesen einen eigenen Sinn ergeben.

Beispiel:
Iesòus
Christòs
Theòu
Yiòs
Sotèr
Die Anfangsbuchstaben ergeben hier das Wort „ichtys“, das griechische Wort für Fisch. Die Strophe ist eine Glaubensbekenntnis und der Fisch ein christliches Erkennungszeichen.

Allegorie

Eine Allegorie ist die Verbildlichung von abstrakten Themen, wobei oft eine besonderer Gegenstand oder eine besondere Person dazu dient, den allgemeinen Sachverhalt darzustellen. Die Abgrenzung vom Symbol ist meist schwierig oder gar nicht möglich.

Beispiele:
Die Göttin Justitia steht für Gerechtigkeit.
Eine weiße Taube steht für den Frieden.

Alliteration (Stabreim)

Liegt eine Alliteration vor, so beginnen die Wörter eines Verses mit den gleichen Lauten (nicht notwendigerweise mit den gleichen Buchstaben).

Beispiel:
„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, „Veni, vidi, vici“ [Caesar]

Anagramm

Ein Anagramm entsteht durch das versetzen von Buchstaben innerhalb eines Wortes oder Satzes, sodass sich eine andere Buchstabenfolge ergibt ergibt.

Beispiel:
Lampe – Palme
Gras – Sarg

Anapäst

Dreisilbiges metrisches Betonungsschema, in dem die letzte Silbe betont wird: xxX
Für weitere Informationen siehe Metrum.

Anapher

Ein Wort oder eine Wortgruppe wird zu Beginn mehrerer Verse wiederholt.

Beispiel:
„Wer soll nun die Kinder lehren und die Wissenschaft vermehren?
Wer soll nun für Lämpel leiten seines Amtes Tätigkeiten?“ [Wilhelm Busch, Max und Moritz]

Annominatio

Die Annominatio, auch Paronomasie genannt, ist ein Wortspiel, bestehend aus Wörtern mit gleichen oder ähnlichen Lauten, aber oft gegensätzlichen Bedeutungen.

Beispiel:
„Eile mit Weile“

Antithese

Die Antithese kombiniert mehrere unter einem Oberbegriff stehende, gegensätzliche Begriffe oder Gedanken.

Beispiele:
„Lieber arm dran als Arm ab“
„Wer rastet der rostet“

Ballade

Die Ballade ist eine Textform, welche lyrische, dramatische sowie epische Merkmale aufweist. In Strophen und Versen gegliedert, die Reime und Metrum aufweisen, wird eine Geschichte erzählt, die oft mit einer Pointe endet.

Beispiel:
„Zauberlehrling“ von Goethe, „John Maynard“ von Fontane

Cento

Cento ist der lateinische Begriff für Flickwerk und ist ein Gedicht, das aus mehreren Versen verschiedener Dichter zusammengesetzt wurde. Die zitierten Passagen können dabei einen neuen Zusammenhang wiedergeben.

Chevy-Chase-Strophe

Die Chevy-Chase-Strophe besteht aus vier auftaktigen, abwechselnd drei- und vierhebigen, betont endenden Versen. In den Versen alternieren Hebung und Senkung, aber auf eine Hebung können auch zwei Senkungen folgen (Füllfreiheit). Im Deutschen überwiegt dabei der Kreuzreim, im Englischen reimen sich oft nur der zweite und vierte Vers. Der Begriff entstammt einer englischen Ballade aus dem 16. Jhd., die eine Jagd schildert. Später, im 18. Jhd. wurde sie vermehrt in deutschen Militärgesängen genutzt.

Chiasmus

Der Chiasmus stellt, genau wie die Antithese, gegensätzliche Begriffe oder Gedanken gegenüber, allerdings werden Teilsätze dabei kreuzweise vertauscht.

Beispiel:
„Ich schlafe am Tag, in der Nacht wache ich“

Chiffre

Die Chiffre ist eine Form des Symbols, deren Bedeutung entschlüsselt werden muss oder nicht entschlüsselt werden kann. Ihr Sinn ergibt sich oft nur für Eingeweihte. Oftmals geht die Bedeutung der Chiffre aus dem Zusammenhang hervor und verdeutlicht diesen.

Beispiel:
„Schwarze Milch der Frühe“

Daktylus

Dreisilbiges metrisches Betonungsschema, in dem die erste Silbe betont wird: Xxx
Für weiter Informationen siehe Metrum

Distichon

Das Distichon ist eine metrische Form aus dem antiken Griechenland, die oft für Epigramme und Elegien genutzt wird. Der erste Vers steht dabei im Hexameter und der zweite im Pentameter.

Beispiel:
„Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.“
[Schiller, Das Distichon]

Elegie

In dieser auch als Klagegedicht bekannten Textform werden nach heutigem Verständnis meist traurige, klagende Themen geschildert. Es ist in Distichen verfasst.

Beispiel:
„Römische Elegien“ von Goethe

Enjambement

Satz- und Versende sind beim Enjambement nicht gleich. Der Satz wird im darauf folgenden Vers weitergeführt, wobei der Sinn und die Struktur des Satzes erhalten bleibt. Wird ein Satz über das Strophenende hinaus fortgeführt, spricht man von einem Strophenenjambement.

Beispiel:
„Die wangen werden bleich/ der schönen augen zier
Vergeht/ gleich als der Schnee der schon verbrandten kertzen“
[Gryphius, Tränen in schwerer Krankheit]

Epigramm

In dieser auch als Sinngedicht bekannten Gedichtsform wird meist antithetisch eine überspitzte, geistreiche oder überraschende Sinndeutung zum Gegenstand. Es tritt häufig als elegisches Distichon auf und wurde ursprünglich in der Antike für Grabinschriften, Weihegeschenken oder Standbildern verwendet.

Epipher

Die Epipher bezeichnet die Nennung gleicher Wörter oder Wortgruppen am Ende mehrerer Verse.

Beispiel:
„Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit! “ [Friedrich Nietzsche, Das trunkene Lied]

Euphemismus

Mit einem Euphemismus werden beschönigende Ausdrücke für ansonsten tragische Sachverhalte oder auch Gegenstände genutzt, um etwas aufzuwerten, zu mildern oder zu vertuschen.

Beispiel:
„Von uns gehen“ oder „einschlafen“ für sterben.
„Seniorenresidenz“ für Altersheim
„Fehltritt“ für Straftat

Figurengedicht

Das Figurengedicht stellt durch eine entsprechende metrische Veranlagung, Wortwahl und Zeilenverschiebung einen Gegenstand oder eine Form dar, welche im symbolischen Bezug zum Gedicht steht.

Beispiel:
„Der Trichter“ von Christian Morgenstern

Haiku

Das Haiku ist die Form eines traditionellen japanischen Gedichts, welches aus drei Versen besteht, deren Silbenanzahl festgelegt ist:
erster Vers: 5 Silben
zweiter Vers: 7 Silben
dritter Vers: 5 Silben
Es erfordert eine hohe Sprachdisziplin und beschreibt Ereignisse in der Natur.

Hexameter

Das „Sechs-Maß“ besteht aus sechs Daktylen, wobei der letzte Daktylus um eine Senkung verkürzt ist. Zur Versgliederung dient eine Zäsur in der Mitte des Hexameters. Eine Abwandlung ist der sog. Klopstocksche Hexameter, wobei der erste Daktylus durch einen Trochäus ersetzt wurde.

Beispiel:
„Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung“ [Friedrich Gottlieb Klopstock, Messias]

Hymne

Die Hymne ist ursprünglich ein feierlicher Lob- und Preisgesang. In der Lyrik ist sie als geistliches Gedicht vertreten und drückt hohe Begeisterung oder Besinnung aus. Als Gedicht hat sie keine feste Form.

Beispiel:
„An die Freude“ von Friedrich Schiller

Jambus

Zweisilbiges metrisches Betonungsschema, bei dem die zweite Silbe betont wird: xX
Für weitere Informationen siehe Metrum.

Kadenz

Die Kadenz beschreibt das Ende eines Verses und kann Auswirkungen auf den Rhythmus und die Leseart haben. Sie sagt aus, wie viele unbetonte Silben auf die letzte betonte Silbe folgen.
männliche (stumpfe) Kadenz: Der Vers endet auf eine betonte Silbe.
weibliche Kadenz: Der Vers endet auf eine unbetonte Silbe.
reiche Kadenz: Der Vers endet auf mehere unbetonte Silben.

Knittelvers

Zwei aufeinanderfolgende Verse müssen sich reimen, damit ein Knittelvers vorliegt (Paarreim). Der strenge Knittelvers besteht aus acht oder neun Silben pro Vers (Je nach Kadenz), der freie Knittelvers kann in der Silbenanzahl variieren.

Beispiele:
„Hans Unfleiß“ von Hans Sachs (strenger Knittelvers)
„Absurda Comica oder Herr Peter Squenz“ von Andreas Gryphius (freier Knittelvers)

Limerick

Der Limerick ist ein Nonsensvers, welcher sich durch komisch-grotesken Inhalt auszeichnet. Er besteht aus fünf anapästischen Versen: zwei Dreiheber, zwei Zweiheber und ein abschließender Dreiheber im Reimschema aabba.

Beispiel:
„Es war mal ein Alter mit Bart
Besorgt, was an Vögeln sich paart
An Lerchen, Pirolen
An Eulen und Dohlen:
Sie alle tun’s in meinem Bart!“
[E. Lear, deutsche Übertragung von Heinz Hermann Michels]

Metapher

Die Metapher ist eine Form der bildhaften Sprache, bei der ein Wort oder eine Wortgruppe von ihrem ursprünglichen Zusammenhang in einen anderen übertragen wird. Dabei muss die Beziehung zwischen dem bezeichnendem Wort und dem bezeichnetem Wort nicht deutlich sein. Die Bezeichnung soll dabei bildhafter oder sprachlich reicher sein.

Beispiele:
„Baumkrone“ für die Spitze des Baums
„Herkules ist ein Löwe“, die Kraft eines Löwen wird hierbei bildlich auf Herkules übertragen
„Du bist ein Fuchs“, jemand ist schlau und gerissen wie ein Fuchs

Metonymie

Mit einer Metonymie wird ein Begriff nicht in seiner eigentlichen wörtlichen Bedeutung genutzt, sondern in einem übertragenen Sinn. Oftmals steht dabei das Ganze für ein Teil des Ganzen.

Beispiele:
„Goethe lesen“ dafür, dass man ein Werk von Goethe liest
„Sie fährt einen Audi“ dafür, dass sie ein Fahrzeug der Firma Audi fährt.
„Ein Glas trinken“ dafür, dass man Flüssigkeit aus einem Glas zu sich nimmt.

Metrum

Das Metrum beschreibt ein abstraktes Schema, nach dem die Silben eines Gedichts betont werden. Es regelt sich nach der Anzahl der Silben und der Betonung der einzelnen Wörter eines Verses, wobei die Sprachgestalt des Gedichtes im Hintergrund steht.

Einzelne Versfüße (zum Beispiel der Daktylus) können dabei auch über ein Wort hinaus erhalten bleiben. Substantive, Adjektive und Verben weisen oft eine feste metrische Struktur auf, wohingegen Füllwörter wie „in“ oder „auf“ betont und an einer anderen Stelle unbetont auftreten können. In der folgenden Notation steht X für eine betonte Silbe, x für eine unbetonte Silbe.

Beispiele:
Jambus: xX
Trochäus: Xx
Daktylus: Xxx
Anapäst: xxX

Ode

Die Ode ist ein feierliches, wenig formstrenges Gedicht. Es muss keinem festen Metrum folgen und auch keine Endreime enthalten. Ursprünglich waren Oden die Gesänge eines Chors im griechischen Drama. Zur Würde des behandelten Themas wird meist ein hoher Sprachstil verwendet.

Beispiele:
„Prometheus“ von Joann Wolfgang von Goethe
„An die Freude“ von Friedrich Schiller

Neologismus

Ein Neologismus ist eine Wortneuschöpfung bzw. Neuprägung. Ein neuer sprachlicher Begriff wird dabei aus vorhandenen Wörtern zusammengesetzt, die nicht notwendigerweise aus der gleichen Sprache kommen müssen.

Beispiele:
„Brunch“ für eine Mahlzeit zwischen „breakfast“ (Frühstück) und „lunch“ (Mittagessen)
„Ich bin so knallvergnügt erwacht“ mit „knallvergnügt“ als Neologismus [„Friede“ von Hermann Hesse]

Onomatopoesie

Die Onomatopoesie wird auch Lautmalerei genannt und wird zur sprachlichen Nachahmung von Geräuschen genutzt, entweder in Form von Interjektionen oder in wortbildenden Lautmalereien. Wird ein Laut durch das Beschreiben der Schallquelle impliziert oder mit einem anderen Geräusch verglichen, spricht man von umschreibender Lautmalerei.

Beispiele:
knallen, rauschen (wortbildene Lautmalerei)
huhu, aua (Interjektionen)
trompetend (umschreibende Lautmalerei)

Oxymoron

Das Oxymoron ist eine Formulierung, deren Wörter sich gegenseitig widersprechen.

Beispiele:
alter Knabe
lautes Schweigen

Parallelismus

In einem Parallelismus oder einer Nebenanderstellung haben mehrere aufeinanderfolgende Verse die gleiche Satzstruktur. Die Stilfigur kann zusätzlich durch das Wählen ähnlicher oder identischer Wörter verstärkt werden. Oftmals sind Parallelismen antithetisch oder tautologisch.

Beispiele:
„Denn Reden bringt Ehre, aber Reden bringt auch Schande.“ [Bibel (Sirach 5, 15)] (Antithese)
„Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ [Bibel, 1 Kor 15, 55)] (Tautologie)

Paronomasie

Siehe Annominatio.

Pentameter

Ursprünglich ein sechshebiges, daktylisches Versmaß, das ausschließlich als zweiter Vers der Elegie auftritt. Die Bezeichnung als „Fünf-Maß“ ist demnach irreführend.

Im Deutschen werden die ersten ein oder zwei Daktylen häufig mit Trochäen ersetzt.

Beispiel:
„Hoch in heiterer Luft siehet der Falke sich um.“ [Friedrich Hölderlin, Der Wandler] mit einem Tröchäus am Anfang.

Periphrase

Die Periphrase ist die Umschreibung eines Begriffs.

Beispiele:
„Halbgötter in weiß“ für Ärzte
„schäumendes Blut des Weinstocks“ für Wein

Pleonasmus

Von einem Pleonasmus spricht man, wenn mehrfach in einem Wort oder einer Wortgruppe der gleiche Sinn zum Ausdruck gebracht wird.

Beispiele:
nasser Regen, rabenschwarz

Personifikation

die Personifikation ist eine Art der Metapher, Tiere, Pflanzen oder leblosen Gegenstände werden hier mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet.

Beispiele:
„Die Zeit rennt.“
„Blätter tanzen im Wind.“

Reim

Ein Reim beschreibt den ähnlichen Klang von zwei Wörtern, in der Lyrik dreht es sich dabei oft um die Versenden.

Beispiele:
reiner Reim (Wortenden klingen gleich) : Hose – Rose, Fisch – Tisch
Unreiner Reim (Wortenden stimmen nur annähernd überein) : sprießen – grüßen, Geläute – Weite
Doppelreim (Reim ab der vorletzten betonten Silbe) : Winde wehen – Linde gehen
vokalischer Halbreim (Reim mit dem letzten betonten und dem danach unbetonten Vokal) : licht war – sichtbar
rührender Reim (Konsonanten vor dem Vokal der betonten Reimsilbe klingen gleich) : lehren – leeren
Schüttelreim (Doppelreim mit zwei Anfangslauten, die den Platz wechseln) : Leiterwagen – weiter lagen
Binnenreim (Innerhalb eines Verses reimen sich mehrere Wörter) : „Was sol ich dame in arken oder in barken“ [Walther von der Vogelweide]
Schlagreim (Innerhalb eines Verses reimen sich zwei aufeinanderfolgende Wörter) : „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe“ [Rainer Maria Rilke, Der Panther]

Reimschema

Das Reimschema beschreibt ähnlich klingende Versenden. In den folgenden Beispielen steht ein Buchstabe für einen Vers und gleiche Buchstaben bedeuten, dass sich die Verse reimen.

Beispiele:
Paarreim: aabb
Kreuzreim: abab
Umarmender Rein: abba
Verschränkter Reim: abcabc
Haufenreim: aaaa
Schweifreim: aabccb

Rhythmus

Der Rhythmus beschreibt die Sprechweise eines Gedichts, es kann zum Beispiel langsam oder beschwingt sein. Zum größten Teil wird er durch das Metrum bestimmt und erst dadurch deutlich, dass das Gedicht (ohne hierbei explizit auf die metrische Betonung zu achten) gesprochen wird.

Senryû

Das Senryû ist eine traditionelle, japanische Gedichtsform, die in der Struktur dem Haiku gleicht:
erster Vers: 5 Silben
zweiter Vers: 7 Silben
dritter Vers: 5 Silben
Im Gegensatz zum Haiku beschreibt es nicht notwendigerweise Naturereignisse.

Sonett

Ein Sonett ist eine Gedichtsform, welche in der Regel aus 4 Strophen und 14 Versen besteht, die ersten beiden Strophen sind Quartette, worauf zwei Terzette folgen. Englische Sonette bestehen aus drei Quartetten, die zu einem „heroic couplet“, einem heroischen Reimpaar, führen. Sonette weisen Alexandriner mit einer festen Zäsur in der Versmitte auf, aber auch jambische Fünfheber können vertreten sein. Typische Reimschemata für das Sonett sind abba abba cdc dcd oder das Schema abba abba ccd eed.

Beispiele:
„Thränen deß Vaterlandes“ von Andreas Gryphius
„Natur und Kunst“ von Johann Wolfgang von Goethe
„Sonett CXVI“ von William Shakespeare

Stanze

Eine Stanze besteht ursprünglich aus acht jambischen Versen, die alle jeweils elf Silben haben. Es handelt sich also um einen fünfhebigen Jambus mit weiblicher Kadenz. Oftmals folgt sie den Reimschemata ababab/cc oder aabccbdd. Im Deutschen existieren Stanzen mit weiblicher sowohl als auch männlicher Kadenz, welche dann nur zehn Silben pro Vers aufweisen. Das letzte Reimpaar weist, ähnlich dem Sonett, einen inhaltlichen Bruch auf.

Symbol

Ein Symbol ist die stellvertretende Darstellung eines Sachverhalts oder Gegenstands, wobei kein Rückschluss auf das Gemeinte geliefert werden muss. Symbole sind oft konkrete Gegenstände, deren Bedeutung bekannt sein muss, um sie als Symbole zu verstehen. Die Abgrenzung zur Allegorie ist oft nicht möglich.

Beispiele:
Das Kreuz ist ein Symbol für das Christentum.
Eine weiße Taube ist ein Symbol für den Frieden.

Synekdoche

Die Synekdoche ist eine Bedeutungsverschiebung, bei der ein Wort durch ein sinnverwandtes Wort ersetzt wird. Oftmals steht dabei ein Teil für das Ganze.

Beispiele:
„Sie leben alle unter einem Dach“ dafür, dass alle in einer Wohnung/Haus leben.
„Holland“ für die Niederlande

Synkope

Die Synkope beschreibt das sprachliche Auslassen eines unbetonten Vokals in der Wortmitte. In der Lyrik wird es zur Einhaltung der metrischen Struktur genutzt.

Beispiel:
„goldnem“ statt „goldenem“

Tautologie

Eine Tautologie ist eine Sinnverstärkung durch die Nennung mehrerer sinnverwandter Wörter, Wortgruppen oder Sätze.

Beispiele:
„Nie und nimmer“
„Geschäft ist Geschäft“

Terzine

Die Terzine ist eine Gedichtsform, bei der die Strophen aus jeweils drei gereimten Versen bestehen. Als ihr Erfinder gilt Dante Alighieri. Das Reimschema ist dabei strophenübergreifend, es kann zum Beispiel das Schema aba bcb cdc auftreten.

Beispiel:
„Bei Betrachtung von Schillers Schädel“ von Johann Wolfgang von Goethe

Trochäus

Form der metrischen Betonung der Silben in einem Gedicht: Xx
Für weitere Informationen siehe Metrum.

Zäsur

Ein Begriff der Metrik, der einen sprachlichen, syntaktischen Einschnitt inmitten eines Verses beschreibt. Sie treten zum Beispiel als fester Bestandteil im Alexandriner auf.

Beispiel:
„Du siehst, wohin du siehst, / nur Eitelkeit auf Erden.“ [Andreas Gryphius, Es ist alles eitel], der Schrägstrich verdeutlicht hierbei die Zäsur.