Kein Lärm begründet diesen Morgen,
kein Sieg erklärt, was hier geschieht.
Das Leben bricht durch unsre Sorgen,
wo Grund sich unter Zweifel zieht.
Der Stein bleibt Stein in unsren Händen,
die Welt bleibt hart in Raum und Zeit.
Doch unter allem festen Wenden
wirkt Sein – jenseits der Endlichkeit.
Der Mut zu leben wächst im Bruch,
nicht aus Gewissheit, nicht aus Sinn.
Er trägt sich durch den eignen Versuch,
wo ich nicht mehr nur ich noch bin.
Nicht Zeichen lösen diese Schwelle,
kein Wunder nimmt uns Zweifel ab.
Was trägt, entsteht an jener Stelle,
wo Wahrheit tiefer greift als Grab.
Nicht Macht erhält, was wirklich gilt,
nicht Schutz, nicht Amt, nicht fremdes Wort.
Was sich dem Licht der Prüfung stellt,
besteht – und wirkt von innen fort.
So steht der Mensch im offenen Werden,
gerichtet und doch freigesetzt.
Er kann sich nicht mehr selbst erklären,
und wird doch neu ins Sein gesetzt.
Ostern ist keine milde Deutung,
kein Trost, der uns im Alten lässt.
Es ist die radikale Häutung
des Seins, das uns im Innern fasst.
Wo Wahrheit gegen Angst errungen,
wo Gewissen nicht dem Druck entweicht,
da wird das Leben neu durchdrungen –
nicht leicht, doch wirklich, und es reicht.
Nicht wir begründen dieses Leben,
nicht wir verschieben Tod und Zeit.
Doch wo wir uns der Wahrheit geben,
tritt Sein hervor – und macht uns frei.