Der Traum vom fünften Raum

Ich fuhr in einem Traume,
die Wolken hingen schwer;
zu sitzen in dem Raume,
in dem ich sicher wär.

Mein Liebster hat versprochen,
zu sichern diesen Raum,
den andern zu betreten,
vor Angst, ich wag` es kaum.

„Du hast es nicht vergessen?“
Er blickt mich lächelnd an.
„Du kannst dich drauf verlassen,
ich habe es getan!“

Dann sind wir auf dem Wege,
die Freundin, er und ich.
Er gab mir sein Versprechen,
das hält er sicherlich!

Wir kommen zu dem Hause,
es hat der Zimmer vier
und unter Sturmgebrause,
ich öffne jede Tür.

Darinnen sitzen Frauen
in hellem, ruhigem Licht.
Sie drehn sich um und schauen
mir böse ins Gesicht.

„Du bist hier nicht willkommen,
der Platz für uns allein!
Dein Liebster hat gelogen,
du darfst hier nicht herein!“

Ich schließ die letzte Türe
und schau den Liebsten an,
nun muss den Weg ich gehen
zum dunklen, bösen Bann.

Wir wenden uns und schreiten
auf ein Gebäude zu,
bedrohlich schon von weitem,
die Tür, sie ist noch zu.

Sehr groß und halb vermodert,
die Angeln quietschen laut,
mein Liebster ist der Henker
und ich bin seine Braut.

Der Raum ist eine Höhle,
so dunkel, feucht und hoch.
Es ängstigt meine Seele,
hineingehn muss ich doch.

Wir sitzen nun im Zimmer,
im Raume Nummer fünf.
Dort lauert eine Seele,
nun hat sie alle Trümpf.

Wir sitzen und beraten,
am Tisch im fünften Raum,
besprechen unsere Pläne
und planen einen Traum.

Vier Wesen sind im Zimmer,
die Freundin auch dabei,
ich kenne alle Viere,
doch Menschen sinds nur drei.

Schon auf dem Weg nach draußen,
da ist es mir gewiss
es geht mit uns der Schatten,
befreit aus dem Verlies.

Wir steigen ein und fahren
durch dichten Wald zurück.
Zuerst steigt aus die Freundin,
sie winkt und wünscht mir Glück.

Mein Liebster sitzt zur Rechten,
er blickt geradeaus,
dann sagt er, ich soll halten
und steigt dann einfach aus.

Er geht, ich fahre weiter,
ich bin noch nicht daheim,
kein Mensch ist auf der Straße,
ich bin nun ganz allein.

Da höre ich ein Zischen,
ein Atem, eisig kalt.
Ich blicke in den Spiegel
und sehe die Gestalt.

Sitzt hinter mir und atmet,
ist dunkel, kein Gesicht.
Mein Rücken, er versteift sich,
entkommen kann ich nicht.

Ich streck` mich durch und trete
das Gaspedal mit aller Kraft,
dann lass ich los den Lenker,
und denk, ich hab es gleich geschafft.

Wir rasen in den Abgrund,
die Welt, sie dreht sich,
ich heb` ab,
werd leicht und schweb` nach oben
und denke grade: „das war knapp!“

Doch plötzlich kommt von unten
die dunkle Wolke, fliegt mir nach.
Es packen kalte Klauen,
sie greifen mich, ich werde schwach.

Gefrierende Gebeine,
so schwer wie Blei ziehn mich hinab,
ich schrei` und schlage um mich,
will nicht hinein ins kalte Grab.

Ich taumle und ich falle
und plötzlich, endlich wird ich wach.
Mein Herz schlägt bis zum Halse,
bin wie gelähmt und endlos schwach.

Ich atme und ich röchle,
die Beine sind eiskalt,
mein Liebster schläft zur Linken,
mein Leiden lässt ihn kalt.

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