Werner Siepler

Das traute Heim

Über ein trautes Heim er verfügt,
sich dennoch nur in Kneipen vergnügt,
seine ganze Freiheit hier verbringt,
rechtzeitig heimgehen nie gelingt.

Meist an der Theke er sitzend thront,
ist Stunden zu stehen nicht gewohnt,
zu jedem Bier einen Schnaps bestellt
und auch manchen Mitzecher freihält.

Wenn die Promille im Blut steigen
und ganz allmählich Wirkung zeigen,
seine Zunge sich hemmungslos löst,
aber rhetorisch an Grenzen stößt.

Über die Welt wird philosophiert,
jedes Problem angesprochen wird,
zu allem fällt ihm Passendes ein,
er muss nur so richtig „knülle“ sein.

Doch die Zeit verrinnt, es ist schon spät,
die Stimme jetzt ins Wanken gerät,
letztlich durch den Promillegehalt,
ausgesprochen unkontrolliert lallt.

Die Sperrstunde naht, der Wirt nun schließt,
ein letztes Bier durch die Kehle fließt.
Plötzlich fällt ihm sein trautes Heim ein,
hoffentlich lässt seine Frau ihn rein.

Schwankend tritt er seinen Heimweg an,
sich kaum auf den Beinen halten kann.
Die ganze Welt sich wild um ihn dreht,
bis er vor seinem trauten Heim steht.

Den Schlüssel sucht, aber nicht findet,
sich rasch zum Klingeln überwindet.
Drohend die Frau an der Tür auftaucht,
ihn mit schimpfenden Worten anfaucht.

Hat ihn dann wütend und kurzerhand,
aus dem Bett des Schlafzimmers verbannt.
Er einsam auf dem Sofa Schlaf sucht
und im Traum das traute Heim verflucht.

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