Chandrika Wolkenstein

Getrennt zusammen

Die Einsamkeit kommt nach Mitternacht,
wenn letzte Bahnen müde Menschen tragen,
wenn jedes Fenster Licht entfacht,
und nahe Lippen nichts zu sagen wagen.

Sie setzt sich zwischen zwei erschöpften Leibern,
die einander einmal Heimat waren,
die sich nichts mehr zu sagen haben,
und hört ihrem Schweigen zu
zum Zeitvertreib.

Am Morgen geht einer zuerst.
Der andere kann noch liegen bleiben.
Ein jeder frühstückt allein und schweigend
und denkt dabei, den Blick verneigend:
„Wenn du doch jetzt hier bei mir wärst.“

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