Max Vödisch

Der kleine Thron

Auf Stühlen aus Papier und Zeichen
erhebt sich stumm ein kleiner Thron.
Wo freie Gedanken langsam weichen,
setzt er für alle seinen Ton.

Wer anders denkt, wird abgewiesen,
sein Einwand zählt schon lang nicht mehr.
Nur was sich fügt, wird laut gepriesen,
das macht den Widerspruch so schwer.
.
Man setzt die Regeln nach Belieben,
definiert, was richtig, was falsch und was gut.
Was nicht gefällt, wird rasch vertrieben,
bis manchem Schreiber schwindet der Mut.

Wo einst die offenen Türen standen,
zieht man die Riegel vor den Saal.
Aus Austausch werden harte Kanten,
aus Freiheit wird kalter Stahl.

Doch ein Gedicht braucht weiten Raum,
in dem auch fremde Wege führen.
Es wächst nicht unter Zwang und Zaum,
wenn andre seine Schritte schnüren.

Ein kleiner Thron braucht keine Kronen,
ihm reicht die Macht, die keiner bricht.
Doch wer sich setzt in fremde Zonen,
verengt am Ende selbst das Licht.

Wo Willkür schließlich einsam wacht,
verstummt, was anders klingen will.
Denn wer aus Worten Grenzen macht,
stellt irgendwann die Dichter still.

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