Max Vödisch

Abschied von den Zeilen

Ich sage leise: Leb wohl,
und meine Seele wird frei.
Die Worte waren Lebenssinn
und gaben mir, was ich selbst bin.

Ich schrieb vom Frieden in der Welt,
wenn Dunkel sie gefangen hält,
von Drogen, die den Menschen fällen,
von Alkohol, der viele Seelen quält.

Ich schrieb vom Werk, vom Arbeitsgang,
vom frühen Start, vom späten Gehen,
von Niederlagen, Lebensdrang,
vom Mühen, das nur wenige sehen.

Ich schrieb von Einsamkeit und Tod,
von Städten, Bahnhöfen im Grau,
von Friedhöfen im Abendrot,
von Menschen, müde, kalt und rau.

Ich schrieb von denen, die am Rand
der grellen Welt verloren stehen,
von Liebe, die sich kaum noch fand,
von Mut zum nächsten Weitergehen.

Und all dies wurde mir zur Sucht,
ein Drang, der jede Nacht durchbricht.
Ich suchte Trost in jeder Flucht
und fand ihn doch im Wort – und nicht.

Der Traum von Wandel lebt in mir,
von einer Welt, die heller klingt.
Doch brauche ich nun Abstand hier,
wo jede Zeile weiter zwingt.

Ich trauere keiner Stunde nach,
kein Weg war jemals mir zu weit.
Was ich erlebt hab, hält mich wach
und bleibt in mir als stille Zeit.

So leg ich nun die Feder hin,
nicht aus Verzicht, nicht aus Verlust,
nur weil ich müde geworden bin
und weil auch Ruhe manchmal muss.

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