S.A. Riten Dumke

Die Ballade vom Geist aus der Flasche

In Florenz lebte einst ein Mann, der Hölle und Himmel dichten kann. Den letzten Vers, den Schluss aus Licht, verlor er beim Fest, im Weingesicht – „Ich leg’s nur kurz hierher“, war, was er sprach.
Am Morgen dann: ein leerer Sinn, das Blatt verschwunden, die Worte dahin. Man schwieg, man trauerte, man meinte, dass selbst der Himmel offen weinte. Das Werk blieb stehen, unvollbracht, als hätte Gott es selbst bewacht.
Jahre danach, im Olivenhang, ein Sohn im Rausch, dem Atem bang. Er stürzt, er tastet, halb im Licht, ein Spalt im Stein – mehr braucht es nicht. Ein Blatt, getränkt in Wein und Zeit, der Schluss: nicht rein, doch ganz und weit.
Kein Engel sprach, kein Himmel bot – der Rausch war’s, nicht des Glaubens Lot. Nicht Himmelsstreben, nicht Gottes Hauch – der Wein hat Dantes Werk vollbracht.

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