Die Phasen des Lebens (Teil 1)

Irgendwann war es so soweit
als Deine Eltern schön zu weit,

körperlich gesehn‘ recht dicht,
mit einem Lächeln im Gesicht,

in gedimmten Räumlichkeiten
alles in die Wege leiten,

um biologisch fachgerecht,
räumlich eher waagerecht,

den Lebenscocktail anzusetzen
mit kurzen, eher schlichten Sätzen.

Alles noch verbal begleiten,
zu hören so auf beiden Seiten,

sich wirklich alles abverlangen,
so hat Dein Leben angefangen.

Du warst da der zweite Strich,
ab jetzt, da geht es nur um Dich.

Wohlbehütet, warm und weich,
wächst Du heran in dem Bereich,

der im Allgemein weit bekannt,
sehr gerne auch Mama genannt.

In deren Bauch musst Du verweilen,
damit sich all‘ die Zellen teilen,

die Du brauchst, um Mensch zu werden,
als Eintrittskarte hier auf Erden.

Noch ist im Bauch der Platz zwar reichlich,
doch Deine Konsistenz zu weichlich,

um damit etwas an zu fangen,
so war Dir auch die Lust vergangen,

auf Schwimmen oder Ball zu spielen,
du konntest sowieso nicht zielen.

Vielleicht war‘n sie schon da, die Augen
selbst wenn sie auch zum Sehen taugen,

gereicht hätt‘s nur für Blinde Kuh
denn Deine Augen war’n noch zu.

Alles was Dir bleibt ist nur,
ein Schluck aus Deiner Nabelschnur.

Nach vielen Wochen Reifezeit,
ist es endlich dann soweit.

Du kommst hier auf diese Welt,
die Amme dich im Arme hält.

Danach folgt dann messen, wiegen
unter Wäremelampe liegen,

notiert Geschlecht und Eingangsdatum,
jeder fummelt an Dir rum.

Hast gerade mal dein Nest verlassen
und sie dir da an Stellen fassen,

die warn‘ bis eben unbefleckt,
andre hast Du selbst entdeckt.

Du schaust Dich dann im Raum so um,
da steht ein Mann im Weg herum,

das sollte jetzt dein Vater sein?
wo war noch schnell das Kinderheim?

Nein, hab‘ nur ein Scherz gemacht
Ein Mann in seiner schönsten Pracht.

Der erste Schock ward überwunden,
Du fragst Dich:“ Wer hat mich entbunden?“

Erneut schaust Du in diese Runde
und suchst den Nächsten hier im Bunde.

Bei einer ist es Sonnen klar,
dass diese Deine Mutter war.

Das war recht schnell herausgefunden,
Du warst ja noch mit ihr verbunden.

Der Arzt schaut flüchtig auf die Uhr
und zertrennt die Nabelschur.

Die ersten Jahre, wenn Du klein bist,
Dein Leben paradiesisch ist.

Essen kommt von ganz alleine,
Zähne brauchst du dafür keine,

wirst sehr oft herumgetragen,
liegst bequem im Kinderwagen.

Schlafen wenn Dir danach ist,
schreien, falls du hungrig bist.

Jeder schaut auf dich gebannt,
ständig kommt jemand gerannt,

grinsend auf die Wange tätschelt
und dich königlich verhätschelt.

Du gerne auf dem Boden krabbelst,
meistens wirres Zeug her brabbelst,

wenig Silben reichen schon,
für die Kommunikation.

Bist so gut wie nie allein,
könnte fast nicht besser sein.

Ok nicht alles ist so toll,
vor allem ist  die Windel voll

Mama ruft laut igitttegitt
da ist ja Mat’rial im Schritt.

Der Gestank ist so extrem,
doch dir egal, du liegst bequem

und schaust wie sie mit viel Geschick,
Dich immer fest in Ihrem Blick,

versucht die Windel ohne Schaden
in den Mülleimer zu laden.

Viele Tücher später dann,
dich man wieder riechen kann.

Wenn man schon mal da so rumliegt,
das Eine sich zum andern fügt,

wiederstehst Du der Versuchung nicht,
gibst Deiner Blase grünes Licht,

fängst genussvoll an zu pieseln
und die Umgebung zu berieseln.

Dein Lächeln, die Entspannung pur
hälst den Strahl auch mit Bravur.

Sie Tücher in die Lachen tunkt,
dein Strahl erreicht den Höhepunkt.

Mama versucht verzweifelt dann,
zu halten, was selbst sie nicht kann.

Später wird man Dir verwehren
Sie auf diesem Weg zu leeren.

Was dich in diesem Alter so
befummelt ist sonst nirgendwo,

in Deinem Leben so extrem,
ein richtiges Problem.

In Scharen stehen sie um Dich,
Tageslicht verdunkelt sich,

viele Küsschen hier und dort,
Bäckchen kneifen schon als Sport.

Jeder will dein süßes Lachen,
und muss dafür Krimassen machen,

beim Reden sich die Zunge brechen,
anstatt normal mit Dir zu sprechen.

Laufen klappt jetzt immer besser,
Du wirst bald zum Allesesser.

Stehen ist jetzt kein Problem,
so lässt sich alles besser seh’n.

Die Umgebung wird entdeckt,
vieles dein Interesse weckt.

Getastet wird mit Hand und Mund,
egal ob eckig oder rund,

bekommst fast alle Türen auf,
die mit Klinke oder Knauf.

Schubladen sind interessant,
der Inhalt fesselt Dich gebannt.

Glitzernd, leuchtend, gut versteckt,
wird gerne von Dir aufgedeckt.

Hell und glänzend, schön verziert,
dich ganz besonders interessiert.

Verbot‘nes zieht Dich magisch an,
da niemand widerstehen kann.

Die Welt, sie könnte so schön sein,
wäre da nicht dieses „Neeiiiin“.

Ständig kommts, egal von wem,
gerade hast Du was geseh’n,

läufst dem erwartungsvoll entgegen,
lächelst absichtlich verlegen,

bist quasi schon gleich dort,
da ist es wieder dieses Wort.

Die Fernbedienung auf dem Tisch,
gerade wir gemacht für Dich.

Du dachtest noch, du wärst allein,
ruft schon wieder jemand „Nein“.

Am Herd, da kann man so schön drehen
und schon wieder wurd‘s gesehen.

Der Ärger steigt Dir ins Gesicht,
die schönen Sachen darf man nicht.

Die letzte Chance, ist zu probieren,
gekonnt das Nein zu ignorieren,

doch am Tonfall wird gleich klar,
dass es ernst zunehmen war.

Nun – die Optionen spärlich scheinen,
hilft jetzt nur noch lautstark weinen.

Dein Wortschatz wächst exorbitant,
vieles ist Dir schon bekannt.

Sätze mit so ein zwei Worten,
öffnen ungeahnte Pforten.

Vor nicht all‘ zu langer Zeit,
warst Du da noch nicht so weit.

Eltern mussten Schmerz durch Zahnen,
durch wildes Raten noch erahnen.

So haben Deine Eltern dann,
gemäß dem „Rate-mal Programm“,

akribisch alles durchgecheckt,
wo des Übels Wurzel steckt.

Essen, trinken könnte es sein,
das Kind schreit noch – bedeutet nein.

Bäuerchen, ein Pups drückt sehr?
Wo kommen bloß die Schmerzen her?

Kind schreit noch, der Kopf wird rot,
was hab ich noch im Angebot?

Vielleicht gestoßen oder Schwindel
Müdigkeit, die volle Windel?

Zu kalt, zu heiß, zu warm,
oder doch nur auf den Arm?

Wenn auch in späten Abendstunden,
irgendwann hat man’s gefunden.

Diese Zeit, nicht einfach war,
doch heute sagst Du „AUA, da!“

zwar freu‘n sich Deine Eltern schon,
dass Tochter oder Sohn,

sich artikulieren kann,
merken aber schnell auch dann,

wo früher noch ein Nein genug war,
folgte jetzt von Dir ein Kommentar,

denn Du warst lange nicht bereit,
kampflos und gar ohne Streit,

das Nein zu akzeptieren,
man sollte das schon diskutieren.

So drehst Du dich ganz langsam rum
und konterst auf das Nein: „WARUM?“

Die Zähne, werden immer mehr,
Dein Outfit gibt jetzt auch mehr her.

Je nach Essen oder Trinken,
wird die Windel anders stinken

und doch egal wie oft man wickelt,
ständig ist dein Po verpickelt.

(Ende Teil 1)

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