Gedanken aus der Lethargie

Ich möchte gern positiv sein,
unbeschwert und frei,
die Zeit genießen
und das Leben zelebrieren
Ich möchte die Welt umarmen,
lachen und tanzen
und mich im Zauber
der Gegenwart verlieren.

Doch die Wirklichkeit
zeigt uns Grenzen auf,
hat unseren Planeten
in den Winterschlaf verbannt.
Seit Monaten verharren wir
in Beschränkungen,
wir reduzieren unser Sein,
sind duldend zu Ratlosigkeit
und Stoizismus verdammt.

Ich möchte gern hoffnungsvoll sein,
der autoritären Maßgeblichkeit glauben
und deren Lösungskonzepten vertrauen.
Ich möchte sagen:
die Zeit heilt alle Wunden
und auch jede Pandemie,
alle Nebenwirkungen und Schicksale,
die wir jetzt noch nicht überschauen.

Denn Vieles bleibt unüberschaubar,
scharfsinnig vorgetragenes Halbwissen,
verpackt in ein Dogma ohne Gewähr.
Wir sind zu unerfahren,
um mit dieser Situation umzugehen,
lernen uns selbst neu kennen
und uns zu orientieren –
in einem richtungslosen Hin und Her.

Ich möchte gern zuversichtlich sein,
weit in die Zukunft schauen
und dann allen Menschen zurufen –
Alles wird gut!
Ich möchte mit Freude anstecken
und Optimismus infizieren,
Lichtblicke entfachen,
doch um nicht skeptisch zu sein,
fehlt mir der Mut.

Ein einziges Thema bestimmt unsere Tage,
hat sich wie ein Parasit
in unser Glück gefressen
und nimmt ganz subtil von uns Besitz.
Es hat Macht und verbreitet Ängste,
zeigt unsere Verwirrung, Hilflosigkeit
und Ohnmacht,
nimmt uns die Souveränität,
wie eine schlechte Pointe den Witz.

Ich möchte gern an die Chance glauben,
nach der wir uns mutmaßend sehnen,
den Perspektivwechsel auf Routinen
und zu selten hinterfragten Glaubenssätzen.
Doch je länger die Krise uns lenkt, desto
größer wird die Sehnsucht nach Normalität
und ganz schnell verfangen wir uns
wieder in alten Gewohnheitsnetzen.

Von allein werden wir nichts verändern!
Wir müssen lernen, uns wahrzunehmen,
schmerzhaft selbst zu reflektieren
und zu akzeptieren.
Nutzen wir jetzt die Zeit,
um frei zu denken,
Wünsche zu formulieren,
Emotionen Raum zu geben
und Mut zu potenzieren.
Ich möchte gern unverdrossen sein
und unvermeidliche Dialoge suchen,
Methoden kritisch betrachten
und Handlungen unverhüllt hinterfragen.
Ich möchte, dass Überzeugungen
mich überzeugen,
die Emotionalität und der Verstand
sich vereinen und dann
einen Neubeginn wagen.

Wir sollten nicht zulassen,
dass Meinungen uns spalten,
wir uns von klagenden Freunden
und leugnenden Nachbarn distanzieren.
Dass die Sorge der Anderen
uns unberührt lässt,
wir soziale Normen versimpeln
und konspirative Theorien
im Protest eskalieren.

Ich möchte gern bedenkenlos sein,
zwanglos frei beseelt
meine Existenz spüren
und leichtfüßig gegen
die Schnelllebigkeit voranschreiten,
trotzend jeder populären Option.
Ich möchte echte Entschleunigung erfahren,
aus eigenen Antrieb heraus.
Aus einem erzwungenen Stillstand erblüht,
bleibt sie eine wirkungslose Illusion.

Ich möchte gern wieder positiv sein,
hoffnungsvoll und zuversichtlich,
ein unerschütterlicher Optimist
voller grenzenloser Euphorie.
Dafür lohnt es sich zu kämpfen,
Für die Lebendigkeit der Welt,
die persönliche Freiheit und all
die versteinerten Träume,
jenseits unserer Lethargie. 

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1 Kommentar zu „Gedanken aus der Lethargie“

  1. Dein Gedicht beeindruckt mich sehr, zumal zwischen den Zeilen, die zum Nachspüren animieren, immer auch Raum bleibt, Deine Grundbefindlichkeit, die Dich als lebensfrohen Menschen vermuten lässt, spürbar bleibt.
    Dein Gedicht gefällt mir sehr sehr gut! Ja und uns allen wünsche ich, dass wir in dieser Krise stark bleiben und unsere die Menschlichkeit niemals verraten.

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