Allgemein

Reichweite

Du sprichst. Ein Satz löst sich und trifft mich dort, wo ich dir vertraut habe. Nicht die Worte allein. Dass sie von dir kommen, macht die Stelle so ungeschützt. Ich werde still. Nicht, weil nichts zu sagen wäre. Ich will nur nicht, dass auch meine Antwort in deine Reichweite gerät. Später fragst du, warum ich […]

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Gedanken schweben…

Gedanken schweben… Gedanken schweben übers Meer. Verweht im Wind die harte Wehr. Hand in Hand das spüren der Zeit. Die Wellen plätschern in das Leid. Endlose Weite wärmt das Gefühl. Sanfter Wind wirkt frisch und kühl. Seele wünscht sich hier ein Nest. Ein letzter Blick hält Schönes fest. Bernd Tunn Tetje

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Bleiberecht

Er war Stürmer. Vor dem Tor verwandelte er Augenblicke in Hoffnung. Auch unter Wasser kannte er seine Zahl: neunundvierzig. Im Freibad lag der Sommer blau und unschuldig im Becken. Dann fehlte der Junge an der Oberfläche. Seine Eltern unterschrieben, damit aus seinem Tod Zukunft wurde — für Kinder, deren Sekunden weiterzählten. Die erste Unterschrift öffnete

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Die geheinmnisville Uhr

Im Nebel von London, anno 1808, der Uhrmacher „John Plänen“ erblasst, Ein Chronometer, aus Gold und voller Pracht hat man ihm zur Reparatur gebracht. Er öffnet den Deckel mit zitternder Hand, und liest eine Schrift, die kein Mensch je verstand. Da leuchtet im flackernden Kerzenschein, m Deckel ganz zierlich dreizehn Buchstaben fein. Im Wechsel von

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Anwesenheit

In der vierten Klasse gaben sie ihm einen Namen, der nicht seiner war. Zwei Silben. Leicht genug für jeden Mund, schwer genug, seinen Rücken zu beugen. Die Lehrer hörten Lachen. Er hörte, wie sein Körper zur Anschlagtafel wurde. Das Wort kam mit nach Hause, saß auf seinem Kissen, aß zuerst seinen Schlaf, dann seine Stimme.

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Die Sanduhr der Moderne

Das Netz vergisst kein einziges Wort, es speichert alles, immerfort. Doch in der Flut, die grenzenlos, wird jedes Byte zum Sandkorn bloß. Man findet kaum das reine Licht, die Masse, den Geist dabei zerbricht! ——————— Die neue Technik, reicht sehr weit, fast grenzenlos in Raum und Zeit. Doch hat sie keinen Spiegel, innen, kann weder

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Nicht so schlimm

Drei Wochen lang schmeckt ihre erste Liebe nach Zitroneneis und nach dem Wort wir. Sie glaubt, dass sie gemeint ist, wenn er es sagt. Dann nimmt er sie mit zu seinen Eltern. Seine Mutter begrüßt den Sohn. Die Freundin wird begutachtet. Der Vater fragt nach ihrer Herkunft. Aus Köln, sagt sie. Nein, woher wirklich? Jede

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Keinen Tropfen verschütten

Zwei kleine Stimmen nennen sie Mama. Niemand nennt sie bei ihrem Namen. Sie trägt den Morgen wie eine volle Schüssel durch die dunkle Wohnung. Keinen Tropfen verschütten. Brote, Socken, Schlüssel, zwei müde Kinderkörper, die noch nach Träumen riechen, und ihr eigener, den sie in eine Bluse knöpft. Auf dem Küchentisch liegt der Tag in Spalten:

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Erste Stunde

Zwischen den Heftseiten raschelt der Hunger. An der Tafel ein Apfel aus Kreide. Niemand kann hineinbeißen. Im Staatshaushalt steht jede Null an ihrem Platz. Vor dem Kind fehlt das Brot. Die Glocke verlangt Aufmerksamkeit. Der Magen antwortet. Kein Kind soll in der Schule für unser Versagen büßen.

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Ungelesene Nachricht

Die Kinder schlafen. Britt schließt leise die Tür und bleibt mit der Stille zurück. Im Wohnzimmer zieht sie die Couch auseinander. Das Gestänge knackt wie etwas, das zu lange gewartet hat. Sie streicht das Leintuch glatt auf der Seite, die leer bleiben wird. Das Telefon liegt schwarz auf dem Tisch. Unter dem Glas sammeln sich

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Disco

Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett, auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You,

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Keine Werkseinstellung

Sie sagen: Die Werte gehen verloren. Als hätte die Gegenwart beim letzten Update etwas Wichtiges gelöscht. Aber vielleicht wurde nur sichtbar, wie wenig davon je installiert war. Mitgefühl mit Stummschaltung. Tierliebe bis zum Preisschild. Ehrlichkeit, solange das eigene Konto nicht mitliest. Wir nennen es Haltung, solange sie uns nicht verändert. Und Tradition, wenn niemand fragt,

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Der Schein der schimmernden Welt

Einst im Rauch verbrannter Wünsche, heute im Schaum bitterer Gärung. Ein Grat, so schmal wie der Nachtnebel, ein Leben im Schlingern der Gezeiten. Wir tanzen im Diktat der Mode, hetzen dem fremden Takt hinterher, wähnen uns frei im eigenen Geist, während ein Echo den Kurs bestimmt. Das echte Leben – ein ferner Garten – verschlossen

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Nachwelt

Zurück blieb die Form eines Fußes. Der Mensch war längst anderswo. Die Flut legt Wasser in seine Abwesenheit. Wenig später: winzige Tiere in der Tiefe eines Schritts. Was eben noch einen Menschen bedeutete, wird für anderes zur Welt.

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Mittagsruhe

Der Nachbar legte das Ohr an die Tür von Nummer sieben. Ich blieb eine Stufe über ihm stehen. Er horchte, bis es drinnen einmal hustete. Dann stellte er eine Schüssel Suppe auf die Matte und ging. Ich setzte jeden Schritt dorthin, wo die Stufen nicht knarrten.

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Die Schönheit in der Nacht

Es scheint, als wäre die Welt entstellt, kein Glanz, kein Ort, der noch gefällt. Die Farben blass, das Licht verzerrt, der Blick auf Schönheit bleibt verwehrt. Man sucht nach Flucht, nach einer Spur, durch Risse in der Kreatur. Es brennt im Herzen, man will schrei‘n, doch Tränen sickern still hinein. Und doch – im Schatten

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