Allgemein

Masche für Masche

Bis zum Briefkasten kostest du mich den Saum. Bis zu dem Wagen, der seit Tagen falsch parkt, die linke Seite. Ich wusste nicht, wie viel Straße in einen Pullover passt. Du gehst ganz gewöhnlich. Weichst einer Pfütze aus. Lässt jemanden vorbei. Hier rutscht mir der Ärmel von der Schulter. Ich hebe ihn an wie etwas,

Masche für Masche Weiterlesen »

Der kleine Thron

Auf Stühlen aus Papier und Zeichen erhebt sich stumm ein kleiner Thron. Wo freie Gedanken langsam weichen, setzt er für alle seinen Ton. Wer anders denkt, wird abgewiesen, sein Einwand zählt schon lang nicht mehr. Nur was sich fügt, wird laut gepriesen, das macht den Widerspruch so schwer. . Man setzt die Regeln nach Belieben,

Der kleine Thron Weiterlesen »

Grundierung

Nach der Beerdigung des Vaters streicht er den Flur. Die Bleistiftstriche verschwinden unter drei Schichten Weiß. Nur die Acht kommt wieder, dünn und grau. Hinter ihm das langsame Ziehen des Gürtels aus den Schlaufen. Sein Rücken wird wieder acht.

Grundierung Weiterlesen »

Choreografie

Wir übten das Vorübergehen, bis es wie Zufall aussah. Die Schultern im richtigen Winkel, der Blick eine Sekunde zu früh zur Seite. Als der Satz seinen Einsatz hatte, vollführten wir dieselbe saubere Drehung. Kein Zögern. Kein Fehler. Nur der Abstand gelang uns jedes Mal.

Choreografie Weiterlesen »

Der Funke in dir

Du musst noch bleiben, musst bestehn, denn deine Flamme darf nicht gehn. Du trägst ein Licht, das leise brennt, das dich in allen Tiefen kennt. Du bist kein Schatten, keine Spur, du gehst nach deiner eignen Uhr. Dein Wesen leuchtet, weit und sacht, trotz aller Last und dunkler Nacht. Erspür, was in dir weiter glüht,

Der Funke in dir Weiterlesen »

Passform

Die Angst nimmt Maß. Schulterbreite. Blickhöhe. Tiefe des Schweigens. Die Maske passt nicht. Noch nicht. Also wird das Gesicht zurechtgedrückt, der Mund begradigt, der Zweifel entfernt. Dann sitzt sie. Fest genug für den Gleichschritt. Leicht genug, um das Gewissen nicht zu drücken. Am Ende jubelt die Menge über ihre Verwandlung und jedes Gesicht ist die

Passform Weiterlesen »

Einverleibt

Ein Splitter steckt im Fleisch. Die Muschel schließt ihre gerippte Faust um das, was sie nicht haben will. An der scharfen Stelle setzt sie ihr Innerstes ab: Perlmutt, Schicht um Schicht ein erhärtetes Nein. Das Fremde bleibt. Um seine Kanten wölben sich die Jahre. Grün läuft über Rosa, verliert sich in milchigem Blau. Keine Farbe

Einverleibt Weiterlesen »

Falten aus Schweigen

Ein schweres Tuch, aus Angst und Schuld gewebt, legt sich auf den, den fremde Blicke meiden; es nimmt ihm Raum, bis kaum noch etwas lebt, und lässt ihn tief in stiller Kälte leiden. Die Blicke fallen wie ein gefrorener Stein, die Stimmen schneiden, ohne aufzuschreien; was gestern Nähe war, wird plötzlich Nein, und Türen schließen

Falten aus Schweigen Weiterlesen »

Mit wem?

Wenn du einmal eine Frau hast, sagt sein Vater und reicht ihm die Kartoffeln. Er ist siebzehn. Unter dem Tisch drückt er beide Füße auf den Boden. Seit Wochen erzählt er von einem Menschen nur in Sätzen, die ohne Fürwort auskommen. War schön. Waren am Fluss. Komme später. So viel Grammatik für eine Hand, die

Mit wem? Weiterlesen »

Vor dem Frost

Der Frost wird wiederkommen. Heute werden die jungen Bäume eingewickelt. Unter der Rinde ruht der nächste Frühling noch verletzlich. Noch passen ihre Schatten zwischen zwei Hände. Wer sie schützt, wird unter ihren Kronen vielleicht nie sitzen. Eines Tages wird in diesen Ästen ein Sommer rauschen, der nichts mehr weiß von den Händen vor dem Frost.

Vor dem Frost Weiterlesen »

Unverlangt

Du hast mir den schönsten Satz aus deinem Traum aufgehoben. Dabei war ich nicht einmal darin. Jetzt dieser Überschuss mitten am Dienstag. Ich gehe zur Haltestelle und könnte jedem Umweg etwas abgewinnen. Sogar das Warten darf dauern. Ein Bus fährt vorüber. In seinen Scheiben zieht der Himmel mit. So viel, das mir nicht gehört und

Unverlangt Weiterlesen »

Ein Wort ein Lächeln

Wenn wir uns Zeit, im Leben schenken, und nicht nur hastig, weiterlenken, wenn einer innehält, und lauscht, spürt er wie schnell, das Leben rauscht. ———————- Ein Wort, ein Lächeln, still gegeben, kann oftmals helfen, uns im Leben. So Menschen, anderen Menschen nah, so ist das Leben, wunderbar. ——————— Solch Augenblick, so zart und leise, der

Ein Wort ein Lächeln Weiterlesen »

In deiner Gegenwart

Du erzählst von mir. Ich war dabei. Trotzdem möchte ich dich unterbrechen. So war ich, sage ich. Du hörst das kleine Wort nicht. Später bestellst du für mich das Übliche. Ich lasse dich noch den Satz beenden. Dann wähle ich etwas anderes. Du fragst, seit wann. Ich weiß nur, wie lange ich gewartet habe, es

In deiner Gegenwart Weiterlesen »

Profitable Bildung

Wenn der Mensch die Bildungslücken schließt, ein höheres Ansehen genießt. Folglich komplizierte Dinge dann, klar und verständlich erklären kann. Der Mensch sogar als gebildet zählt, wenn ihm ein gewisses Wissen fehlt, er dennoch mühelos und mit Fleiß, möglichst rasch findet, was er nicht weiß. Doch mancher „Bildungsspezialist,“ ein nervender Besserwisser ist. Wissen anderer in Frage

Profitable Bildung Weiterlesen »

Schicksalshilfe

Auch wenn man die Augen immer offen hält, sich jeder Herausforderung tapfer stellt, fleißig und voller Selbstbewusstsein agiert, nicht alles von vornherein stets klappen wird. Häufig das ins Auge gefasste nur glückt, wenn das Schicksal auch mal ein Auge zudrückt.

Schicksalshilfe Weiterlesen »

Co!

Co! Trinkt massiv. Er ist krank. Die Ehefrau mit sich im Zank. Leidet sehr. Wie so oft. Doch im Stillen mehr erhofft. Weg gesucht. Für sich allein. Muss ihn lassen in der Pein. Eigenschutz. Hartes Doch. Will für sich aus dem Joch. Bernd Tunn Tetje

Co! Weiterlesen »

Besuchszeit

Der Fluss nahm dem Jungen den Atem und für einige Minuten auch seinen Namen. Als man ihn ans Ufer zog, hatte sein Körper die Zeit bereits verlassen. Fremde Hände drückten sein Herz zurück in den Takt der Uhren. Wochen später stand er wieder im Garten, ein Pflaster im Gesicht, das Alphabet auf den Lippen. Nur

Besuchszeit Weiterlesen »

Dienstkleidung

Die Vita sitzt faltenlos. Das Lächeln erfüllt alle Voraussetzungen. Im Saal wird auf den Erfolg angestoßen, als wäre Scheitern nur schlechte Planung. Zwischen zwei Reden kündigt der Körper die Zusammenarbeit. Kalter Boden. Hände ohne Aufgabe. Ein Herz, das keinen Beifall versteht. Auf dem Waschbecken leuchten Glückwünsche auf. Minuten später kehrt das Lächeln an seinen Arbeitsplatz

Dienstkleidung Weiterlesen »

Wo wir sie uns reichen

Hände sind auch Stimme und Blick sind Pflicht freier Wille erzeugen Schmerz großes Glück hantieren laut wirken in der Stille sind schreibende Gesellen als Werkzeug ein Juwel voll Freud und Eifer oder stumpf nur auf Befehl gestikulieren in eigener Art vehement verhalten erweisen sich als grob als zart in ihrem Tun und Gestalten. Alles Werten

Wo wir sie uns reichen Weiterlesen »

Lektüre

Zwei junge Männer lagen aufgeschlagen auf den Tischen, der eine seit Jahrhunderten untröstlich, der andere zwei Jahrhunderte jünger, nicht weniger verloren. Die Klasse prüfte ihr Leiden, fand es weich, lächerlich. Mimosen. Unter blauem Haar hob sich ein Gesicht. Eine Stimme stellte sich zwischen das Gelächter und die Bücher, verteidigte beide mit einer Heftigkeit, die bis

Lektüre Weiterlesen »