Allgemein

Besuchszeit

Der Fluss nahm dem Jungen den Atem und für einige Minuten auch seinen Namen. Als man ihn ans Ufer zog, hatte sein Körper die Zeit bereits verlassen. Fremde Hände drückten sein Herz zurück in den Takt der Uhren. Wochen später stand er wieder im Garten, ein Pflaster im Gesicht, das Alphabet auf den Lippen. Nur […]

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Dienstkleidung

Die Vita sitzt faltenlos. Das Lächeln erfüllt alle Voraussetzungen. Im Saal wird auf den Erfolg angestoßen, als wäre Scheitern nur schlechte Planung. Zwischen zwei Reden kündigt der Körper die Zusammenarbeit. Kalter Boden. Hände ohne Aufgabe. Ein Herz, das keinen Beifall versteht. Auf dem Waschbecken leuchten Glückwünsche auf. Minuten später kehrt das Lächeln an seinen Arbeitsplatz

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Wo wir sie uns reichen

Hände sind auch Stimme und Blick sind Pflicht freier Wille erzeugen Schmerz großes Glück hantieren laut wirken in der Stille sind schreibende Gesellen als Werkzeug ein Juwel voll Freud und Eifer oder stumpf nur auf Befehl gestikulieren in eigener Art vehement verhalten erweisen sich als grob als zart in ihrem Tun und Gestalten. Alles Werten

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Lektüre

Zwei junge Männer lagen aufgeschlagen auf den Tischen, der eine seit Jahrhunderten untröstlich, der andere zwei Jahrhunderte jünger, nicht weniger verloren. Die Klasse prüfte ihr Leiden, fand es weich, lächerlich. Mimosen. Unter blauem Haar hob sich ein Gesicht. Eine Stimme stellte sich zwischen das Gelächter und die Bücher, verteidigte beide mit einer Heftigkeit, die bis

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Übermalung

Fünf Jahre lang trocknete die Zukunft in dünnen Schichten: weiße Säle, Blitzlicht, der eigene Name im gedämpften Raunen. Dann ein grauer Umschlag, höflich verschlossen. Ein paar Sätze, leicht genug für ein Blatt, schwer genug, alle Farben kippen zu lassen. Unter dem Dach wartete das Bild. Plötzlich traten daraus hervor: die Mühe, die Enge, der schlecht

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Hausordnung für Besucher

Liebe(r) Besucher, Dieses Haus hat keine Ordnung. Es ist Staub auf den Schränken, Hundehaare in den Ecken, Fingerabdrücke auf den Fenstern, Werkzeuge, für offene Baustellen, Spielzeuge überall. Wenn Du das siehst und dich unwohl fühlst, darfst du jederzeit gehen und nie wieder zurückkehren. Du hast Erwartungen, wie wir LEBEN SOLLEN, die wir nicht erfüllen WOLLEN.

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Wie ein leiser Strom

Ein Wort genügt, um Licht zu schenken, ganz ohne Prunk, ganz ohne Schein. Man muss Gedanken gar nicht lenken, sie dürfen einfach nur wahr sein. Wer Gutes tut, macht es oft leise, ein lautes Urteil aus der Welt. Die Stille reicht auf ihre Weise, die tröstend uns zusammenhält. Was zählt, ist nie der fremde Sinn,

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Die missglückte Rede

Ein Mensch rhetorisch ganz gezielt, eine flammende Rede hielt, sich zum Wortakrobat machte, Weisheiten an den Mann brachte. Nur Neunmalkluges er erzählte, das Trommelfell der Hörer quälte. Obwohl mancher die Worte toll fand, dennoch keiner sie so recht verstand. Sehr schnell hat man dann kapituliert, das Geschwafel war zu kompliziert, die richtige Entscheidung fällte, seine

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Die Liaison

Ein Igel auf Freiersfüßen wandelte und mit einem kessen Schwein anbandelte. Der süßen Sau dann Komplimente machte, so seine Verliebtheit zum Ausdruck brachte. Da das Schwein von dem Werben angetan war, wurden die Beiden im Nu ein Liebespaar. Eine wunderbare Liaison anfing, ihr Himmel natürlich voller Geigen hing. Sie hatten nur noch Augen für sich

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Überschätztes Können

Auf den wichtigsten Posten sitzen häufig Vollpfosten, die vor nichts zurückschrecken und den Eindruck erwecken, selbst sehr brisante Themen rasch in Angriff zu nehmen. Und hoffen, dass es gelingt, man großen Erfolg erringt. Doch im realen Leben, wenn´s schwierig wird, aufgeben. Versprechen oft nicht halten, dabei den Grips ausschalten. Sich dennoch arg aufblasen, antworten meist

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Aufenthaltsort

Die Frau wohnt nachts in einem Bus. Alle siebenundvierzig Minuten kommt ihre Wohnung am selben Bahnhof vorbei. Sie kennt jede Kurve, die Ampel mit dem langen Rot, das Geräusch der Türen vor dem Öffnen. Manchmal steigt ein Kontrolleur ein. Dann zeigt sie ein gültiges Ticket für eine Fahrt, die nirgends enden darf. Um vier Uhr

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Der Geduldsfaden

Die Ungeduld geht dir oft auf den Geist, so dass dir nun der Geduldsfaden reißt, den du mit deiner arg stressigen Last, ganz gewaltig überstrapaziert hast. Dennoch solltest du jetzt nicht aufgeben, weiterhin deine Ziele anstreben. Dich immerzu ruhig und gelassen, deiner gestressten Lage anpassen. Wenn du den Faden durchs Nadelöhr ziehst, alle Belastungen nun

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Die Null

Menschen, die nie was auf die Reihe kriegen, werden Nieten und Versager genannt, nicht im Trend der Leistungsgesellschaft liegen und sind als nutzlose Nullen bekannt. Doch wer Nullen mit den Nutzlosen gleichsetzt, hat sich mathematisch gründlich geirrt, den Sinn der Nullen hochnäsig unterschätzt und schon die Grundrechenart nicht kapiert. Das Nullen daher keineswegs nutzlos sind,

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Inselfahrt!

Postmanns Pflicht! Inselfahrten Postmanns Pflicht. Dunkel doch nimmt die Sicht. Mystik schwebt um den Kahn. Ungut lebt den dunklen Wahn. Schiff versinkt bei tiefer Ruhe. Leise dümpelt Schiffers Truhe. Diesmal geht es nicht zurück. Ein neues Kreuz so bedrückt. Bernd Tunn Tetje Bild: Bing KI

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Pflegehinweis

Die Etiketten nannten Länder, als wären Länder Waschanleitungen. Dreißig Grad. Nicht bleichen. Auf links bügeln. Von den Händen, die nähten, kein Wort. Der Schrank war voll mit fremder Lebenszeit, sorgfältig auf Kunststoffbügeln verteilt. Als ich die Tür öffnete, schlug mir kalte Meeresluft entgegen. Sie legte sich auf meine Zunge und ließ mich an etwas Ertrunkenes

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Frühwarnung

Die Angst wartete im Türrahmen, bis ich sie bemerkte. Sie war schon länger da. Man gewöhnt sich an einen Schatten, wenn er stillhält. Unter meiner Haut ging etwas auf und ab. Mein Herz schlug gegen die Rippen, als wollte es hinaus, vor mir auf die Straße. Draußen schliffen sie ein Wir, bis es schnitt. Sie

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Stimme

Du legtest einen Stein in meine Stimme. Ich konnte ihn nicht ausspucken. Also lernte ich, um sein Gewicht herum zu atmen, zu sprechen, zu singen. Jahre später kamst du zurück, um mein Schweigen zu hören. Meine Stimme füllte den ganzen Raum. Der Stein war deiner. Der Klang ist meiner.

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Gesund alt werden

Wenn ein Mensch regelmäßig ein wenig Sport betreibt, jedoch ohne vom Sport getrieben zu werden und die Gesundheit hierbei auf seine Fahne schreibt, hat im Alter häufig weniger Beschwerden. Wer den inneren Schweinehund an die Kette legt, die Bequemlichkeit ganz einfach überwindet, indem er sich auch mal sportlich motiviert bewegt, sogar Freude am sportlichen Trimmen

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Lyrische Unterstützung

Wenn ich für ein Gedicht Ideen brauche, schnell in die Tiefen der Lyrik tauche, habe dort unten mit der Muse ein Date, damit später auf meinem Blatt etwas steht. Die Muse den lyrischen Knoten löst, indem sie so manche Ideen anstößt, die dann allmählich bis zur Reife keimen, so dass die Zeilen sich nun prima

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