Allgemein

Nicht so schlimm

Drei Wochen lang schmeckt ihre erste Liebe nach Zitroneneis und nach dem Wort wir. Sie glaubt, dass sie gemeint ist, wenn er es sagt. Dann nimmt er sie mit zu seinen Eltern. Seine Mutter begrüßt den Sohn. Die Freundin wird begutachtet. Der Vater fragt nach ihrer Herkunft. Aus Köln, sagt sie. Nein, woher wirklich? Jede […]

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Keinen Tropfen verschütten

Zwei kleine Stimmen nennen sie Mama. Niemand nennt sie bei ihrem Namen. Sie trägt den Morgen wie eine volle Schüssel durch die dunkle Wohnung. Keinen Tropfen verschütten. Brote, Socken, Schlüssel, zwei müde Kinderkörper, die noch nach Träumen riechen, und ihr eigener, den sie in eine Bluse knöpft. Auf dem Küchentisch liegt der Tag in Spalten:

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Erste Stunde

Zwischen den Heftseiten raschelt der Hunger. An der Tafel ein Apfel aus Kreide. Niemand kann hineinbeißen. Im Staatshaushalt steht jede Null an ihrem Platz. Vor dem Kind fehlt das Brot. Die Glocke verlangt Aufmerksamkeit. Der Magen antwortet. Kein Kind soll in der Schule für unser Versagen büßen.

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Ungelesene Nachricht

Die Kinder schlafen. Britt schließt leise die Tür und bleibt mit der Stille zurück. Im Wohnzimmer zieht sie die Couch auseinander. Das Gestänge knackt wie etwas, das zu lange gewartet hat. Sie streicht das Leintuch glatt auf der Seite, die leer bleiben wird. Das Telefon liegt schwarz auf dem Tisch. Unter dem Glas sammeln sich

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Disco

Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett, auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You,

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Keine Werkseinstellung

Sie sagen: Die Werte gehen verloren. Als hätte die Gegenwart beim letzten Update etwas Wichtiges gelöscht. Aber vielleicht wurde nur sichtbar, wie wenig davon je installiert war. Mitgefühl mit Stummschaltung. Tierliebe bis zum Preisschild. Ehrlichkeit, solange das eigene Konto nicht mitliest. Wir nennen es Haltung, solange sie uns nicht verändert. Und Tradition, wenn niemand fragt,

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Der Schein der schimmernden Welt

Einst im Rauch verbrannter Wünsche, heute im Schaum bitterer Gärung. Ein Grat, so schmal wie der Nachtnebel, ein Leben im Schlingern der Gezeiten. Wir tanzen im Diktat der Mode, hetzen dem fremden Takt hinterher, wähnen uns frei im eigenen Geist, während ein Echo den Kurs bestimmt. Das echte Leben – ein ferner Garten – verschlossen

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Nachwelt

Zurück blieb die Form eines Fußes. Der Mensch war längst anderswo. Die Flut legt Wasser in seine Abwesenheit. Wenig später: winzige Tiere in der Tiefe eines Schritts. Was eben noch einen Menschen bedeutete, wird für anderes zur Welt.

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Mittagsruhe

Der Nachbar legte das Ohr an die Tür von Nummer sieben. Ich blieb eine Stufe über ihm stehen. Er horchte, bis es drinnen einmal hustete. Dann stellte er eine Schüssel Suppe auf die Matte und ging. Ich setzte jeden Schritt dorthin, wo die Stufen nicht knarrten.

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Die Schönheit in der Nacht

Es scheint, als wäre die Welt entstellt, kein Glanz, kein Ort, der noch gefällt. Die Farben blass, das Licht verzerrt, der Blick auf Schönheit bleibt verwehrt. Man sucht nach Flucht, nach einer Spur, durch Risse in der Kreatur. Es brennt im Herzen, man will schrei‘n, doch Tränen sickern still hinein. Und doch – im Schatten

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Schlagermusik

Schlagermusik kommt heute wieder gut an. Viele Menschen sie enorm begeistern kann. Mancher „Schlagerfuzzi“ hat als Troubadour, jetzt wirtschaftlich lohnende Hochkonjunktur und macht nicht selten einen satten Gewinn, oft für einen musikalischen Unsinn. Verfügt ein Song über genug „Herz und Schmerz,“ garantiert er einen lohnenden Kommerz. Die Komposition als wichtiger Fakt, erfolgt sogar häufig im

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Weshalb sich eine Frau hübsch macht

Auf die Frage, weshalb sich eine Frau hübsch macht, es eine durchaus logische Antwort gibt. Wer letztendlich den Mann heiß und innig liebt, hat sich die richtige Schminktechnik beigebracht. Folglich schminkt sich die Frau mit geschickter Hand und einigen Portionen weiblicher List, denn das Männerauge besser entwickelt ist, als in vielen Fällen der Männerverstand.

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Kleine Verschiebung

Vor einem Bild, das seine Farben leiser gestellt hat, ist sie eingeschlafen. Die Wintersonne verlässt langsam ihre Hände. Der Aufseher wartet. Dann schiebt er die Bank eine Handbreit ins Licht. Sie schläft weiter. Vielleicht ändert sich in ihrem Traum, wem die Wärme gehört. Später ist die Bank leer. Die Sonne stellt sich noch immer schlafend.

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Enfant terrible

Mancher Mensch ist ein gefürchtetes Enfant terrible, handelt oft unangepasst und kein bisschen flexibel. Immer wieder durch provokantes Verhalten auffällt, grundsätzlich das eigene „Ich“ in den Vordergrund stellt. Von den Mitmenschen er als „Bürgerschreck“ gesehen wird, nicht selten gegen gesellschaftliche Normen agiert. Hat schon so manchen zur totalen Verzweiflung gebracht und sich somit als „Schwarzes

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Abflug

An der Haltestelle riss ein Mann den Fahrplan aus dem Rahmen. Er teilte ihn mitten durch die Abfahrtszeiten. Auf der Bank weinte ein Kind in seine Mütze. Der Mann kniete nieder und faltete aus der nächsten Abfahrt einen Vogel. Er setzte ihn dem Kind auf die Knie. Als ich aufsah, bog mein Bus schon um

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424

Ich habe 424 Freunde. Sie wohnen hinter Glas. Jeden Morgen erzähle ich ihnen vom Kaffee, vom Wetter, von mir. Sie kennen die Tasse, nicht die Hand, die sie zu fest hält. Wir schicken einander Herzen, leicht genug für jede Leitung. Sie schlagen nicht. Auf den Bildschirmen stehen hundert Fenster offen. In unseren Zimmern fällt eine

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