TIMO ERTEL

März im Zwielicht

Der März kommt nicht mit hellem Lachen,
er steigt aus Nebeln, schwer und sacht;
im Märzwind hör ich Stimmen wachen,
die schliefen tief in Wintermacht.
Die Zweige knistern wie Erinnern,
ein Flüstern geht durch kaltes Land;
als rührten uns aus fernen Sinnen
verlorne Träume, unbekannt.
Im Tauwetter tropft dunkles Sehnen
von Dach und Ast in stumme Flur;
die Knospen schwellen wie ein Wähnen
von Leben – oder nur Natur?
Ein Vogelruf, halb Licht, halb Klage,
zerspringt am grauen Morgenrand;
der Frühling ist nicht nur die Frage –
er ist die Antwort ohne Hand.
O März, du Schwelle zwischen Welten,
du lockst mit Blüte, Duft und Schein;
doch unter deinem milden Gelten
kann auch ein leiser Abschied sein.
Denn was da wächst aus dunkler Erde,
trägt stets der Nacht geheimes Mal –
im Aufbruch liegt schon die Beschwerde,
im ersten Grün der künft’ge Fall.

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