TIMO ERTEL

März – Ontologische Notiz

Der März ist kein Frühling.
Er ist eine Freilegung.
Das Tauwetter legt frei,
was der Frost nur verbarg.
Die Erde wird weich –
nicht aus Gnade,
sondern aus Notwendigkeit.
Knospen brechen nicht auf,
weil sie hoffen,
sondern weil sie müssen.
Vogelgesang ist kein Trost,
sondern Behauptung von Anwesenheit
im Angesicht der Leere.
Der Mensch steht im Märzwind
nicht als Zuschauer,
sondern als Geworfener.
Zwischen Nicht-mehr
und Noch-nicht
öffnet sich das Dazwischen.
Dort entscheidet sich Sein.
Wandel ist kein Versprechen.
Er ist Zumutung.
Der März
ist die Schwelle,
auf der das Alte
nicht mehr trägt
und das Neue
noch keinen Boden hat.
Wer hier steht,
steht ohne Sicherung.
Und gerade darin
beginnt Freiheit.

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