Die Wahrheit treibt Knospen im jungen Licht,
doch wird sie im Tau leicht gebogen;
wo jeder den Sinn nach Belieben verspricht,
ist mancher vom Wege gezogen.
Die Macht keimt leise im blühenden Grund,
wo Widerspruch zaghaft verklingt;
kein rauer Wind geht mehr offen und kund,
wenn Ordnung sich selbst überringt.
Die Ordnung erwacht aus winternder Ruh,
doch ohne das Maß wird sie träge;
wo Zucht fehlt, wächst Wildnis im Garten im Nu,
und Zufall bestimmt dann die Wege.
Die Vernunft liegt warm in der frischen Luft,
doch wird sie vom Rauschen verdrängt;
wenn Deutung den klaren Gedanken umruft,
wird Wahrheit im Blühen bedrängt.
Die Regeln, im Frühling zu weit ausgesät,
verlieren die tragende Kraft;
was niemand mehr prüft und bewusst neu versteht,
zerfällt in der eigenen Haft.