TIMO ERTEL

Frühling – Aufbruch nach Winternacht

Noch hält der Frost in kahlen Zweigen sacht,
kein lauter Sieg – ein leises Wiederkehren;
die Erde regt sich aus der Winternacht
und lernt, sich gegen Kälte still zu wehren.
Kein Blatt erwächst aus bloßer Zuversicht,
kein Trieb aus Wunsch und rasch verwehter Rede;
was sich erhebt, kennt Pflicht und Gegenlicht
und wächst aus Zucht in sorgsam stiller Pflege.
Der Bach, befreit von starrem Winterband,
trägt Maß und Zeit in seine lichten Bahnen;
und jeder Schritt ins offne Frühlingsland
entsteht aus Arbeit, nicht aus bloßem Ahnen.
So kommt der Lenz nicht als gefäll’ge Gabe,
nicht als Versprechen ohne Widerstand;
er fordert Maß, Ordnung und treue Habe
im Umgang mit dem eigenen Bestand.
Wer ihn erkennt im stillen, jungen Werden,
weiß, was im Wandel Dauer wirklich bringt:
Nur was verwurzelt tief in kargen Erden,
besteht – weil es sich selbst im Maß bezwingt.

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