Timo ERTEL

Der Winternebel.

Der Winternebel zieht durchs Land,
legt Schweigen auf die kahlen Weiden;
die Hügel schwinden, Wald und Rand
verlieren Namen und Gestalten.

Im fahlen Morgen ruht das Feld,
vom Reif mit feinem Glas überzogen;
als hätte sich die müde Welt
für einen Atemzug entzogen.

Die Rotbuche steht grau und still,
kein Blatt antwortet mehr dem Winde;
nur fern ruft eine Rabenstimme
durch Erlenbruch und kahle Gründe.

Der Bach zieht unter dünnem Eis,
verborgen, doch noch nicht erstorben;
sein dunkler Lauf erinnert leis:
Auch unter Stille lebt ein Morgen.

Der Nebel nimmt den Dingen nicht
ihr Sein, nur ihre klaren Grenzen;
im ungewissen Winterlicht
beginnt das Unsichtbare zu glänzen.

Kein Stern durchdringt die schwere Nacht,
kein Mond weist Wege durch die Felder;
doch über Frost und dunkler Pracht
bewahrt der Schnee die Spur der Wälder.

So lehrt der Winter ohne Wort,
dass Ruhe nicht das Ende heiße:
Was sich dem Blick entzieht, wirkt fort
auf seine stille, tiefe Weise.

Am Morgen hebt sich grau der Flor,
die Hügel treten wieder näher;
die Welt erscheint wie neu hervor,
doch wir sind um ein Schweigen älter.

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