Chandrika Wolkenstein

Als du noch selbstverständlich warst

Da ist noch jemand,
der weiß,
dass du den Grießbrei nur aßest,
wenn kein Klümpchen darin war.

Jemand erinnert sich
an den roten Plastiklöffel,
an das Knacken der Heizungsrohre,
an den Gummigeruch neuer Radiergummis,
an den Werbespot,
nach dem der Fernseher ausgeschaltet wurde.

Nichts davon steht in einem Lebenslauf.

Und doch beweisen diese Kleinigkeiten,
dass dein Leben irgendwo begann.

Solange jemand sie erinnert,
ist deine Kindheit
mehr als eine Erzählung von dir.

Wenn dieser Mensch einmal fehlt,
gilt die Postleitzahl weiter.
Auch der Dialekt
verschwindet nicht sofort.

Nur wer du damals warst,
hat keinen Zeugen mehr.

Von da an
kannst du zurückkehren,
so oft du willst.

Du kommst
in deiner eigenen Vergangenheit
nur noch als Gast vor.

Wie gefällt dir das Gedicht?

Klicke auf die Sterne um es zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 1

Gib die erste Bewertung für dieses Gedicht ab.

Ein Gedicht in Schönschrift publizieren? Nutze den Handlettering-Generator und verwandle dein Gedicht in ein visuell ansprechendes Kunstwerk.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert