Max Vödisch

Das Elfenbeinhaus

Ein Aufstieg, kühl wie polierter Marmor,
kein Atem der Fabel, kein Herzschlag aus Traum.
Ein gläserner Fahrstuhl zieht lautlos hinauf,
ein Schuss durch die Etagen der Stille,
während Seile aus Schuld in der Tiefe beben
und tragen, was keiner mehr sehen will: Leben.

Dort oben erheben sich Türme aus Glas,
Säle, gedehnt wie vergessene Zeit.
Masken lächeln – glatt, geschliffen, leer –,
ihr Glanz: nur Hülle für innere Kargheit.
Und Stimmen klingen wie Münzen im Schacht,
die fallen und fallen in bodenlose Nacht.

Die Pforte verlangt kein Blut und kein Schwert,
nur Opfer, die leise die Seele entleeren:
Münzen aus Menschlichkeit, kalt geprägt,
und Schlüssel, aus eigenem Wesen gesägt.
Wer eintritt, bezahlt ohne Aufschrei, ohne Blick –
und lässt Stück für Stück sein Innerstes zurück.

So bleibt dieser Weg ein flackerndes Licht,
ein Irrpfad im goldenen Schein der Verheißung.
Wer ankommt, der steht am Gipfel der Leere,
im Glanz, der nicht wärmt und keinen hält.
Und hört, wenn die Stille die Höhe durchzieht,
das letzte, verlorene Lied.

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