Max Vödisch

Falten aus Schweigen

Ein schweres Tuch, aus Angst und Schuld gewebt,
legt sich auf den, den fremde Blicke meiden;
es nimmt ihm Raum, bis kaum noch etwas lebt,
und lässt ihn tief in stiller Kälte leiden.

Die Blicke fallen wie ein gefrorener Stein,
die Stimmen schneiden, ohne aufzuschreien;
was gestern Nähe war, wird plötzlich Nein,
und Türen schließen sich in stummen Reihen.

Man nennt es anders, was man nicht versteht,
gibt ihm ein Wort und glaubt, genau zu wissen;
bis jeder Weg an einer Grenze steht
und selbst der Schritt nach draußen wird zerrissen.

Doch manchmal kommt ein Wind, den keiner kennt,
fährt durch die Falten, hebt das schwere Schweigen;
für einen Augenblick wird frei, was brennt –
ein Mensch, den keine Etiketten zeigen.

Dann fällt das Tuch nicht fort, doch wird es dünn,
wenn niemand mehr es gegen andere hält;
wo Hände reichen, kommt Bewegung hin,
und langsam öffnet sich die fremde Welt.

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