TIMO ERTEL

Im Maß der Kälte

Die Kälte formt die Welten neu,
was früher alt, wird heute treu
dem stillen Wandel übergeben,
der ordnet, prüft und neu lässt leben.
Was hart erscheint, ist nur bewahrt,
im Frost wird Wesentliches klar.
Die Formen schärfen sich im Stillen,
wo Kräfte ruh’n statt laut zu drängen.
Der Winter trennt, was tragen kann,
vom Übermaß, vom schnellen Wahn.
Er misst Geduld, er dehnt die Zeit,
bis Neues wächst aus Klarheit.
So wird, was war, nicht ausgelöscht,
nur neu geordnet, neu durchforscht.
Im kalten Licht erkennt man mehr:
Was bleibt, ist schlicht – und darum schwer.
Die Kälte ist kein Endgericht,
sie ist der Raum vor neuem Licht.
Was heute ruht im weißen Kleid,
tritt morgen vor – zur andern Zeit.

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