TIMO ERTEL

Märzgesang

Noch liegt ein Hauch von Winter
auf Flur und fernem Wald,
doch unter kahlen Zweigen
pocht Leben leis und bald.
Der März hebt an zu flüstern
im grauen Himmelsraum;
sein Märzwind streift die Felder
wie Erinnerung im Traum.
Im Tau der jungen Bäche
schmilzt hart geword’ne Zeit,
und Tropfen fallen silbern
in neue Wirklichkeit.
Die Knospen schwellen heimlich
am still umhauchten Ast,
als trügen sie im Innern
ein Lied aus ferner Rast.
Ein Vogelruf durchzittert
die kühle Morgenluft,
als rührte eine Ahnung
an Erde, Licht und Duft.
Wo dunkle Schollen bergen
die schlafende Saat im Feld,
träumt schon ein grünes Wogen
von einer lichteren Welt.
O März, du zarter Rufer
am Rand von Frost und Glut,
du bringst im leisen Wandel
des Werdens frische Flut.
Du schreibst mit jungem Lichte
ins Herz ein neues Wort
und führst die müden Seelen
aus ihrem Winter fort.
Ein Aufbruch wohnt im Schweigen,
ein Atem in der Flur,
als suchte sich die Welt noch
im eignen Werden Spur.
So wächst aus kaltem Schweigen
ein mildes Frühlingslied,
das durch die Zweige wandert
und himmelwärts entzieht.
Und wer es still vernimmt,
erkennt in tiefer Spur:
Der März ist nur ein Anfang –
doch öffnet er Natur.

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