Trauergedichte

Narben

Wir übersahen einander. Zu groß war der Abstand der Jahre, zu schmal mein Blick für deinen leisen Schmerz . Unsere Mutter, so unbeholfen in Zärtlichkeit, ließ dich oft ohne Trost, mit einem Maßband, das dir schon früh den Atem nahm. Ich sah dein Ringen, wie man Regen sieht. Man hört ihn, man geht trotzdem weiter. […]

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Liberty

Die alte Dame steht immer noch vor den Pforten von New York. Die Flamme freilich ist erloschen, Tränen rinnen ihre Wangen hinab. Der amerikanische Traum ist zerrüttet, die Hoffnung schwindet im Verzweiflungskampf. Der Dollar ist mit der Macht gepaart, das legale System schlicht marode. Geldgier statt Gerechtigkeit, Gewalt tobt auf der Straße. Frankreich bewunderte uns

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Schatten

Deine Gegenwart hat einen kleinen warmen Schatten hinterlassen. Nicht sichtbar, nur dort, wo man innehält. Wo du warst, ist es milder. Eine Spur ohne Stimme. Ich höre dich trotzdem. Ich folge langsam. Es eilt nichts.

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Anstand, wie? oder Ehre gar?

Früher, ja früher, galt noch ein wenig der Anstand. Wir meinten, den Politikern glauben zu dürfen, denn sie strebten nach dem Erhalt der Nation. Es galt als Ehre, ein politisches Amt innezuhaben, zum Wohle der Bevölkerung. Das Land zu schützen vor äußerer Bedrohung. In der amerikanischen Szene zählt heute nur noch, wie hoch die Bestechungssumme

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Dazwischen

Zwischen deinen letzten Worten und meinem Verstummen liegt ein Raum, so still, dass selbst die Uhr das Ticken vergisst. In diesen Raum stelle ich Stühle, ich decke den Tisch mit deinem Namen und warte, bis die Erinnerung als Gast erscheint.

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Der Kreisel

Auf der leeren Straße tanzt ein Kreisel. Er dreht sich selbstvergessen, als sei die Welt ein runder Augenblick. Noch hält ihn das Kreisen. Noch trägt ihn die Bewegung. Er ahnt nicht: Die Kinder sind schon weiter. Sie haben keine Zeit mehr für ihn. Hände haben anderes zu tun. Man findet ihn später. Die Straße war

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Geliebt oder Objekt

Meine Gedanken denken du hast noch eine Geliebte. Oder ist es doch nur mein Selbstzweifel, der mich das glauben lässt? Bin ich gut genug für dich? Kann ich dich erfüllen? Kann ich dir dabei helfen deine Ziele zu erreichen? Oder bin ich doch nur eine Person, die du nur kurzfristig brauchst? Ich will dich halten,

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Apokalypse

Kurz bevor der Vulkan in sich selbst kollabiert, explodiert er noch einmal kräftig und verursacht schreckliche Folgen. Die US Regierung folgt diesem Beispiel und tanz wie ein Bär auf dem Rand des Abgrunds. Schnell noch ein Land erobert, kurzerhand alles in Frage gestellt, alle Freunde düpiert, den Befehl des Gegners ausgeführt. Die landesweite Hypnose zeigt

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Für Vater

Hätt‘ dir so gern was Schönes noch gesagt vor deiner großen, langen Reise. Hätt‘ dich so manches gern gefragt, bevor du leise, so ganz leise den Abschied gabst. Dann warst du fort vielleicht an einem besseren Ort, wo alles einfach leichter ist, wo du ein Seelenvogel bist. Von Zeit zu Zeit ziehst du ganz leise

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Bleib doch

Wie Lippen, die sich fast berühren, wie ein charmantes Lächeln im Vorübergehen, wie ein süßer Duft, den wir im Abgang spüren, wie ein zu kurzes, scheues Wiedersehen ist das gnadenlose Davongleiten der Zeit. Dies einfach hinzunehmen war ich nie bereit. Sekunden blühen auf und fallen zusammen. Was schön war, tat so weh im Gehen. Ich

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Staub der Jahre

Wintertage tragen Staub in ihren Taschen, von Wegen, die man ging und nicht mehr geht. Erinnerungen an dich sacht verblassen wie dein Name, der ganz leis‘ im Schnee verweht. Du warst das Maß, das alles andere überragte. Du warst Verderben mir im Übermaß. Du warst Beweis dafür, dass ich Vertrauen wagte. Du warst der Grund

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Angst

Die Fundamente unseres Hauses wackeln bedrohlich, Verrat ist ja so probat. Wer heute noch zu protestieren wagt, muss damit rechnen, auf der Straße erschossen zu werden. Wie Pilatus einst so schön sagte, man wäscht sich die Hände im Wasser der Unschuld und lässt die Diener gewähren. Die höchsten Richter sagen Ja und Amen, womit ein

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Nie genug

Nie genug Wärme, nie genug Licht, nie genug Weite, gereicht hat es nicht. Deine Seele bleibt hungrig nach Zuversicht. Nichts sättigt die Sehnsucht. Nichts heilt durch Verzicht. Du fühlst dich eingepfercht in dir, starrst schmachtend auf die Ausgangstür. Warst immer schon zur Flucht entschlossen. Doch diese Tür war nie verschlossen.

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Sterne der Stärke

In Nächten, wo der Mond meine Träume in Schatten malt, erkenne ich mein Alter, wie es auf meine Seele strahlt. Die Furcht vor Schwäche schleicht durch den Traum, die Unabhängigkeit bleibt ein stummer Raum. Das Flüstern meiner Gebete steigt zum Universums Licht, wo Engel sich in stillen Kreisen an mich schmiegen. Ihr Glanz, mein Trost,

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