René Walther

Zwei von fünf

So, nun habt ihr endlich euer Kreuz gemacht
Und es brauchte nicht besonders viel Mut
Mit nie da gewesener Selbstverständlichkeit
Nur mit Stolz und Trotz und jede Menge Wut

Ein Kreuz in dem ihr eine Alternative seht
Aus einer chronischen Unzufriedenheit
Für starke Taten erwartungsvoller Lenker
Gegen all die demokratische Unfähigkeit

Ihr fühlt euch stark, denn ihr seid Viele
Die, wie ihr selbst so denken und klagen
Ihr fühlt euch unantastbar selbstgerecht
„Deutschland zuerst!“ hört man euch sagen

„Unser Land, unsere Regeln.“ unser Wille
„Wir sind das Volk.“ in lebendiger Ostalgie
Ihr wollt „eure Souveränität“ wieder zurück
„Deutschland abschaffen“, keine Demokratie

Ja, und ihr kennt die eine denkbare Realität
Fordert Mut zu unbequemen Wahrheiten
Nicht wie all die Lügner und Dilettanten
Der Presse und Linken und der Obrigkeiten

Schuld haben sowieso immer die da oben
Und sicher hat das System auch versagt
Und überhaupt hat niemals irgendjemand
Danach, was ihr denn so wollt, gefragt

Populismus ist populär, ist Popkultur
Sich von leeren Phrasen, täuschen zu lassen
Komplexe Probleme gibt es mit ihm keine
Weil seine Inhalte keine Fakten umfassen

Ihr definiert euch über eure Sprache
Plakativ und gern Polemisch aggressiv
Rhetorisch im ewigen Gestern verortet
Leicht verständlich bis schwer primitiv

Über all den Modernisierungsverlierern
Schwingt die Waffe der puren Emotion
Gezielt spielt man mit persönlichen Ängsten
Schafft ganz subtil Ärger und Provokation

Und genau da haben sie euch gefangen
Euch dort abgeholt, wo ihr jetzt steht
In Sehnsucht nach einem starken Führer
Hinter Mauern, wo kein Wind der Freiheit weht

Und mit ihm, holt ihr euch euer Land zurück
Dabei hat es euch nie wirklich gehört
Ihr hattet nur Glück, hier geboren zu sein
Und diese Tatsache hat euch nie gestört

Ihr habt Glück, eine Heimat zu besitzen
Die lebenswert ist und schön und auch frei
Sie ist die Identität, die euch geblieben ist
Zwischen blasser Egozentrik und Heuchelei

So habt ihr nun euer Kreuz gemacht
Welches offensichtlich einen Haken hat
Und damit habt ihr das Los selbst gefaltet
Und damit setzt ihr euer Land schachmatt

Ihr fühlt euch stark, denn ihr seid Viele
und ihr seid wütend, laut und alternativlos
Ihr glaubt fest an eine Systemkorrektur
Und begrabt ganz naiv eure Zukunft furios.

Nein, ich verurteile euch hier nicht dafür
Wem ihr ganz demokratisch wählt
Und werte auch nicht das, worüber ihr klagt
Ich stelle nur fest, und das immer wieder, Das ihr nicht schätzen könnt, was ihr besitzt
und den Wohlstand unseres Landes nur ertragt

Was ist die Lösung? Oder ist’s ein Dilemma?
Oder ist’s vielleicht auch gut so, wie es ist.
Wir werden sehen. Fallt gern krachend auf die Schnauze und leckt eure Wunden
Als Verlierer oder Opfer oder als Faschist

Ich weiß ich sprech euch an, ganz direkt
Denn 2 von 5 haben dieses Kreuz gesetzt
4 von 10 die diesen Weg gehen wollen
Und 6 haben sie immer unterschätzt

Und deshalb müssen wir wohl gemeinsam
Die kommenden Konsequenzen tragen
Völkisch neolibaral wird unsere Zukunft sein
Ohne autoritär und radikal zu hinterfragen

Wer ist dabei, wer experimentiert mit uns
Wer lässt die geforderten Kurswechsel zu
Wie wollen wir leben, fragt euch das
In einem Land irgendwo außerhalb der EU

Sind wir dann noch frei? Wir das Volk
Oder bleiben wir verbittert und unzufrieden
Was, wenn ihr euch bitter getäuscht habt
Dies ist kein Spiel mit einem Unentschieden

Dies ist das Leben, die absolut reale Welt
kein Monopoly und keine SIMS Simulation
Und nichts ist perfekt oder fehlerfrei, gut
Keine Welt, kein Staat ist eine wahre Fiktion

So ihr habt nun endlich euer Kreuz gemacht
Und ich werde sicher nichts daran ändern
Und trotzdem schmerzt es, tolerant zu sein
Und euch zu sehen hinter all den Blendern

Zu hören, was eurem Leben widerspricht
Und wie ihr rechtfertigt, was geblieben ist
Wie ihr dumpfe Worte anderer verteidigt, und nichts über eure Gedanken wisst

Ich persönlich kann sehr gut aushalten
Dass eure Ansichten andere als meine sind
Aber ich werde absolut nicht akzeptieren
Wenn ihr haltlos zu diskriminieren beginnt

Wenn ihr hetzt und hässliche Parolen schürt
Und nur noch menschenfeindlich diskutiert
Euren Verdruss nur auf Fremde projiziert
Mit immer gleichen Phrasen argumentiert

Dann will ich einfach nicht neutral bleiben
Und Verständnis haben oder gar Mitleid
Dann muss ich hörbar Haltung zeigen
Mich wehren gegen diese Dummheit der Zeit

Ich will diese Verachtung nicht ertragen
Nur leise weiter zu gehen ist keine Option
Ich will euch ins Wort fallen und streiten
Ich will eure bedingungslose Kapitulation

Ganz ehrlich. Dieses Thema scheint endlos
Wie komme ich zu einem würdigen Schluss
Hab ich gesagt, was ich loswerden wollte
Was hab ich vergessen, was noch sein muss

Ich denke, es ist egal – ihr habt verstanden
Was mir wichtig war, hier und jetzt zu sagen
Ich weiß, nur 3 verstehen mein Intention
Die 2 anderen werden meine Zeilen beklagen oder
mich vielleicht aus dem Raum heraus jagen

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