Der Graf kam einst auf stolzem Pferde
durch Felder, Wald und Morgenrot.
Der Knecht bestellte dieselbe Erde,
trug dieselbe Last, dasselbe Brot.
Der eine wohnte hinter Mauern,
der andre unterm Schieferdach.
Doch beide sahen Sommer dauern
und Herbstnebel am selben Bach.
Die Eiche fragte nie nach Titeln,
nicht nach Vermögen oder Stand.
Sie warf auf Herren und auf Arbeiter
denselben Schatten übers Land.
Die Jahre gingen, Zeiten wechselten,
das Schloss verlor manch alten Glanz.
Die Fabrikschlote wuchsen höher,
doch auch sie hielten nicht für ganz.
Noch immer rauscht der Wind im Walde,
noch immer zieht die Lerche fort.
Und manches trennt die Menschen heute,
doch manches eint sie mehr als Worte.
Denn Heimat wächst nicht aus Verträgen,
nicht aus Geld und nicht aus Macht.
Sie wächst aus Wegen, die wir teilen,
aus Sprache, Arbeit, Zeit und Tracht.
So stehen unter alten Kronen
der Gutshof und das Werkstor nah.
Der Wald hat beide überdauert
und weiß, was ihnen gemeinsam war.