Klara seehütter

MAMA

Mama, sie war da und plötzlich war sie weg.
Mama, sie zeigte mir ihre Liebe und plötzlich wurde ich ihr egal.
Mama, sie war jeden Tag zu Hause und plötzlich war sie nie mehr zu Hause.
Mama, ich habe ihr alles erzählt und plötzlich ging das nicht mehr.
Und ja, vielleicht sagst du mir, es wäre krank, so wenig Kontakt mit ihr zu haben,
oder es sei schlimm, wie ich ihr schreibe oder dass ich sie blockiert hatte…
Aber kennst du die Hintergrundgeschichte?
Nein!
Und ja, vielleicht denkst du, du würdest mich gut kennen,
aber nein, du weißt nichts.
Nichts über unser Verhältnis, nicht, was hinter dem Ganzen steckt.
Und trotzdem tust du so, als würdest du alles wissen
und könntest mir sagen, wie schlimm ich mich eigentlich meiner Mutter gegenüber verhalte.
Aber nein, du weißt nichts.
Also denk verdammt nochmal nicht, dass du weißt, was ich zu tun habe.
Würdest du wissen, wie es mir geht, dann würdest du vielleicht anders handeln.
Aber du weißt es nicht.
Deswegen ist es okay. Auch wenn ich mich bei dem Ganzen nicht gut fühle,
verzeihe ich dir, weil ich weiß, du weißt nicht einmal ansatzweise alles
und kannst nicht wissen, was du da eigentlich tust.
Mama, sie zog mich groß und plötzlich muss ich ohne sie erwachsen werden.
Und ja, vielleicht glaubst du mir nicht, dass wir mal ein perfektes Verhältnis hatten,
aber glaub mir, das hatten wir.
Sie war nicht nur meine Mama, sondern auch meine beste Freundin.
Und deswegen tut es auch so verdammt nochmal weh.
Mama, erst war sie da,
und plötzlich war sie weiter entfernt, als ich es je für möglich gehalten hätte.

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