Der erste Mai hebt leis das Schild,
auf dem die Arbeit heilig gilt;
doch stillt man sie mit freiem Tag
und nennt das Pflicht, was keiner mag.
Die Fahnen wehn, der Chor ist laut,
die Würde wird im Takt erbaut;
und während man die Arbeit ehrt,
wird sie für einen Tag verkehrt.
Im Grünen ruht, wer sonst sich plagt,
die Hängematte hat das Sagen;
der Kampf wird kurz zur Pause klein,
damit man ihn noch führen kann.
Die Reden steigen, hell und klar,
vom Wert der Mühe Jahr für Jahr;
doch zeigt sich Sinn in leisem Brauch:
Wer würdigt, unterbricht sie auch.
So misst der Tag, was selten zählt:
nicht, wer sich täglich durchgequält;
er zeigt, was alle plötzlich eint;
dass Arbeit fehlt, wenn keiner scheint.
Und wer am ersten Mai noch schafft,
versteht die eigne Widerschaft:
Die höchste Ehr der Arbeitszeit
ist ihre kurze Abwesenheit.