Der Sommer stand in schwerem Gold
auf Feldern, Linden, Wegen;
die Lerche stieg, der Himmel schwieg,
als wollte er nichts bewegen.
Das Korn war reif, die Luft war warm,
die Städte lagen im Lichte;
doch hinter Mauern, Eid und Amt
verdunkelte sich die Geschichte.
Da trug ein Mann durch Juliglut
nicht Hoffnung nur, sondern Gewissen;
er wusste: Wer dem Unrecht dient,
wird einst an seinem Schweigen gemessen.
Die Bombe fiel, der Aufstand brach,
die Nacht verschlang die Namen;
im Hof erlosch das kurze Licht,
doch nicht der Geist, aus dem sie kamen.
Denn Vaterland ist nicht der Staat,
wenn Recht und Menschlichkeit sterben;
es lebt in denen, die widerstehen,
statt Schuld als Pflicht zu vererben.
Noch blüht im Juli der Holunder,
noch rauscht die Linde über dem Stein;
der Sommer vergeht – doch eine Tat
kann länger als ein Leben sein.
So mahnt der Tag im hellsten Jahr:
Nicht jeder Mut trägt Waffen.
Oft muss ein Mensch, allein vor der Macht,
dem eigenen Gewissen Raum schaffen.
Und wenn die Abendsonne sinkt
auf Deutschland, still und weit,
bleibt über Feldern, Stein und Grab
die Freiheit als Verantwortlichkeit.
© Timo Ertel, 2026