Allgemein

Das Elfenbeinhaus

Ein Aufstieg, kühl wie polierter Marmor, kein Atem der Fabel, kein Herzschlag aus Traum. Ein gläserner Fahrstuhl zieht lautlos hinauf, ein Schuss durch die Etagen der Stille, während Seile aus Schuld in der Tiefe beben und tragen, was keiner mehr sehen will: Leben. Dort oben erheben sich Türme aus Glas, Säle, gedehnt wie vergessene Zeit. […]

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Vom Getragensein

Je älter ich werde, desto leiser wird der Irrtum, ich hätte hier das Sagen. Ich habe Pläne gemacht, aber das Leben trat nie durch die Tür, die ich ihm offenhielt. Es kam ungefragt. Es nahm Platz. Es liebte mich für eine Weile. Es verließ mich ohne Erklärung. Ich lerne langsam, mich tragen zu lassen von

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Der Kandidat

Du redest viel, doch leer ist dein Wort, ich wähl dich nicht – zieh weiter fort. Du suchst nur List, du willst nur Macht, dein Lächeln trügt, dein Glanz ist Nacht. Als König trittst du auf die Bühne, mit stolzem Blick und leerer Miene. Hinter deiner Glanzparade liegt Gier, die Täuschung deiner Worte spür ich

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Im Takt der schnellen Bilder

Das Schweigen lässt keinen Raum, nur Flimmern, das sich selbst vergisst, ein Strom aus Zeichen, Bild und Schaum, der unberechenbarer als Denken ist. Wir standen einst im Raum der Funken, wo Ahnung leise Formen fand, heut löscht ein Klick das Halbdunkel – noch eh es fragend vor uns stand. Die Bilder eilen uns voraus, zu

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Wo Worte wohnen

Wer keine Worte hat, wohnt eng. Die Freude bleibt vor der Tür. Der Schmerz liegt namenlos im Zimmer. Die Angst geht um bei Nacht, und niemand fragt sie, woher sie kommt. Arm ist ein Haus, in dem man nicht sagen kann, was in einem lebt. Doch wo Sprache wächst, wird es weit. Da öffnen sich

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Ganz, ganz nah…

Ganz. ganz nah… Mutig wird sie in den Tagen. Will jetzt wieder etwas wagen. Langsam öffnet sie die Tür. Für sie wird es eine Kür. Sonne schenkt milde Strahlen. Sie dringen tief in ihre Qualen. Frische Luft tut ihr sehr gut. Verstärkt so ihren Lebensmut. Steht erwartend leise da. Fühlt sich Christus ganz, ganz nah.

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Mit allen Wassern gewaschen leben

Als ein Erfolgsmensch er gesehen wird, Geschäftliches perfekt funktioniert. Er sich knallhart durchzusetzen versteht, Menschen nicht leichtfertig auf den Leim geht, mit allen Wassern gewaschen ist, stets schlitzohrig und mit großer List, nur seine eigenen Vorteile sucht und lukrative Gewinne verbucht. Obwohl er den Erfolgen nachstellt, sich für einen fairen Gegner hält. Doch mit der

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Allein

In schwersten Momenten stets allein, wer nicht verbittert, kann sich befrei´n vom Wunsch nach Beistand – beim Hindurchgeh´n – nur so sind die Prüfungen des Lebens zu besteh´n.

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Hafentakt

Das Wasser nagt am morschen Steg, der Rost frisst stumm am Eisen. Ein Möwenschrei verliert den Weg im Grau vergangner Reisen. Ein Kranarm beugt sich müd und schräg, als wollte er schweigend weisen. Der Diesel singt ein müdes Lied, die schweren Ketten tragen den Takt, in dem ein Schatten zieht und spricht von alten Tagen.

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Es gibt mehr

Wir wissen so viel und verstehen so wenig. Wir kartieren den Himmel, zählen Sterne, berechnen Bahnen, simulieren das Ende der Welt auf glatten Bildschirmen – und scheitern doch am eigenen Herzen, an einem Blick, an der Stille nach einer Nachricht. Die Welt ist größer als ihre Verwaltung. Etwas entzieht sich immer. Nicht trotzig, nicht feindlich

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Keine Hilfsbereitschaft

Wenn du anderen stets zur Seite stehst, für sie jederzeit durch dick und dünn gehst und ihnen ausnahmslos die Treue hältst, selbstverständlich nicht in den Rücken fällst, ihnen deine Freundschaft dadurch beweist, dass du dir für sie den Hintern aufreißt, findet dich jeder garantiert sehr nett, hast drum bei allen „einen Stein im Brett.“ Doch

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Die schwierigste Turnübung

Ein Mensch, der regelmäßig Sport betreibt, häufig fit bis ins hohe Alter bleibt, die nötige Bewegung nicht vergisst, weil sie für ihn eine Medizin ist, die für ein verlängertes Leben wirbt, sicherlich er aber gesünder stirbt. Täglich er an seine Gymnastik denkt, seine Gliedmaßen nach Herzenslust renkt, so die schwierigste Turnübung vornimmt, sie mit viel

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Delegiertes Lachen

Viele Menschen in den früheren Jahren, noch nicht so fortschrittlich wie heute waren, mussten damals über lustige Sachen, doch tatsächlich selber humorvoll lachen. Manch einer sich sogar krumm und schief lachte, bis plötzlich Bauchweh ihm zu schaffen machte. Aber heute man sein Lachen delegiert, von Smileys dieser Part übernommen wird. Um keine Energie mehr zu

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Der andere Weg

Manchmal beginnt ein Leben mit dem stillen Wissen, dass die vorgezeichneten Wege gut ausgeleuchtet, geordnet, beinahe freundlich sind, aber nicht für dich. Du gehst den schwereren Weg. Kein Versprechen. Keine Rettung. Nur nichts, das dir etwas vormacht. Er führt dich in eine größere Kälte, in eine ehrlichere Einsamkeit. Du weißt: Lieber gehst du durch die

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Unter deinem Namen

Die Dinge tragen kein Urteil. Nicht der Regen. Nicht die Nacht. Nicht das Schweigen zwischen zwei Menschen. Erst dein Denken tritt hinzu und macht daraus Trost, Drohung, Verlust. So belädst du die Welt, bis sie unter deinem Namen eine andere wird. Gut. Böse. Liebe. Schuld. Dabei war sie zuvor nur dies: offen, stumm, unerbittlich ohne

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Alle tun es

Immer, wenn der Frühling ins Land zieht, man es die Fauna freudig tun sieht. Hierzu sämtliche Vögel zählen, es zur Hauptbeschäftigung wählen. Sogar die Bienen sich nicht zieren, es mit Freude auszuprobieren. Schmetterlinge und bunte Falter, machen es bis ins hohe Alter. Selbst Menschen es zu tun versuchen, jedoch keinen Erfolg verbuchen, es ganz einfach

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Den Daumen schonen

Ein Mensch, der es im Leben zu was brachte, eine beispielhafte Karriere machte, zunächst, bevor er die Richtung festlegte, das „Für und Wider“ präzise abwägte. Die Erkenntnisse in die Waagschale warf und hundertprozentig dann ins Schwarze traf. Letztendlich ohne Schwierigkeiten und glatt, er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Diese Verfahrensweise sich durchaus lohnt,

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Sachzwang

“Hell is empty and all the devils are here“,Ariel to Prospero, Shakespeare: The Tempest, Act 1, scene 2 Chandrika Wolkenstein Sachzwang Die Hölle ist leer. Nicht weil das Böse ausgestorben wäre. Sondern weil es umgezogen ist, in Großraumbüros und Kommentarspalten, in Gremien und Ministerien, in dem beruhigenden Tonfall, mit dem man Härte als Sachzwang verkauft.

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Meine Muse

Sag mir den Grund geliebte Muse. Du reichst mir nicht mehr deine Hand? Wo bleiben Phantasie, die schönen Worte? Wo bleibt dein Musenkuss der uns so eng verband? Die Seelenrädchen stehen stumm und still. Sie brachten Wort und Zeile stets ans Ziel. Nun muss ich alte Werke wiederkäuen. Muse, bist du etwa schon senil? Günter

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Heruntergekommen

Zerlumpt, verloren, ohne Licht, die Hoffnung weicht dem Angesicht. Die Scham vor Freunden – einst vertraut, hat dir fremde Wege gebaut. Dein Blick ist traurig, unsicher, leer, die Liebe bleibt dir fern und schwer. Du lebst in Kreisen, die nicht passen, bei denen Träume schnell verblassen. Gammler, Diebe – rau und laut, doch sie sind

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