Uliana Rovenchak

Wälder

Wälder bewegen sich kaum, sie blinzeln nicht einmal, heben die Stimme nicht, verarbeiten nicht tausende Klangnuancen wie eine Stadt. Sie sind nicht so bunt, und doch bleiben ihre Farben klar im Kopf verankert.
Sie brauchen so wenig, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen — vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht nach ihr schreien, sondern uns sehen wollen — ohne Schmuck, ohne Masken. Denn warum sollte man sich für einen Wald herausputzen oder seine Aufmerksamkeit ständig zerstreuen? Rundherum sind nur Bäume. Man bleibt im Augenblick hängen.

Monotasking statt Multitasking — heute klingt das wie Glück, gezogen durch ein Nadelöhr.

Wälder werden keinen einzigen zusätzlichen Laut erzeugen, wenn wir nicht mehr kommen. Sie eröffnen kein neues Café, hängen keine neuen Dekorationen auf. Dort wird es unangenehm, wenn wir vor uns selbst fliehen wollen — aber interessant, wenn wir vor allen anderen fliehen möchten. Langweilig, wenn man noch mehr Reize sucht — und beruhigend, wenn die Reize sich bereits zu einem atomaren Sprengkopf aus Emotionen verhärtet haben.

Man kann alles hören und sehen und trotzdem keine Blicke erinnern und die Stille nicht verstehen.
Dem Wald reichen nur ein paar Schritte deiner Anwesenheit, um dich wieder zurück in die Stadt zu schicken.

Der Wald konkurriert nicht um Aufmerksamkeit. Er ist einfach da.
Und genau deshalb wird in ihm sichtbar, wer du selbst bist.

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