Wenn morgens Tau auf Wiesen liegt
und Nebel durch die Gärten zieht,
wenn Sonnenlicht durch Zweige fällt
und still die Blätter golden hält,
dann trägt der Herbst sein buntes Kleid,
halb Abschied schon, halb Erntezeit.
Die Kastanie fällt ins feuchte Gras,
ein Kind hebt sie auf und freut sich daran.
Der Ahorn brennt in Rot und Gold,
die Buche wird schon kupferhold.
Ein Wind fährt spielend durch den Hain
und mischt sich in das Rascheln ein.
Noch wärmt die Sonne manchen Tag,
als ob der Sommer bleiben mag.
Doch abends wird der Schatten lang,
und früher schweigt der Vogelsang.
Auf Wegen sammeln Kinder Schätze,
Kastanien, Blätter, kleine Plätze
voll Licht, das nur für Stunden bleibt,
bevor der Wind es weiter treibt.
Die Großen gehen etwas stiller,
die Luft wird klar, der Abend kühler.
Man sieht, was sonst im Alltag flieht:
wie schön die Welt im Wandel blüht.
Denn Herbst heißt nicht nur: Etwas geht.
Er zeigt uns auch, was neu entsteht.
Wo Blatt um Blatt zur Erde fällt,
wird sichtbar, was das Leben hält.
So zieht der Herbst durch Feld und Baum,
durch Garten, Straße, Weg und Raum.
Und mitten in dem bunten Wehn
lernen wir wieder hinzusehn.