TIMO ERTEL

Zwischen Wald und Werkstor

O stiller Wald, ich muss nun gehen,
der Morgen ruft mich in die Stadt.
Wo Schornsteine am Himmel stehen
und jedes Haus Geschichten hat.

Hier singt der Wind in alten Buchen,
dort pfeift die Lok zum frühen Dienst.
Hier darf die Amsel Worte suchen,
dort zählt die Uhr den Tageszins.

Doch beide Welten tragen Leben:
Der Wald sein Moos, das Werk sein Brot.
Hier wird die Kraft der Erde geben,
dort trotzt der Mensch der eignen Not.

Die Eiche wächst in langen Jahren,
der Maurer setzt Stein auf Stein.
Der Bach folgt still den alten Pfaden,
die Straßen ziehn durchs Morgenlicht hinein.

Und wenn am Abend müde Schritte
vom Pflaster heim zum Waldrand gehn,
dann finden Stadt und Wald die Mitte,
wo beide einander verstehn.

Denn keine Welt besteht alleine,
kein Feld, kein Werk, kein Baum, kein Haus.
Der Mensch trägt Erde in den Händen,
und aus der Erde wächst er aus.

So geh ich fort – doch nicht verloren.
Der Wald bleibt mit auf meinem Weg.
Im Herzschlag seiner alten Kronen
klingt nach, was Stadt und Leben trägt.

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