Der August liegt auf Feld und Rain,
so satt, als müsst es ewig sein;
das Korn ist schwer, die Luft ist lind,
nur manchmal geht ein kühler Wind.
Die Brombeerhecke, schwarz und voll,
weiß längst, was bald geschehen soll;
die Wespe trinkt am süßen Saft,
als gäb es morgen keine Kraft.
Am Wege steht die alte Linde,
noch rauscht sie grün im Abendwinde;
doch manches Blatt, schon gelb und klein,
fällt still in seinen Schatten ein.
Die Schwalben sammeln sich am Draht,
als hielten sie dort stillen Rat;
wir Menschen gehn vorüber sacht
und tun, als hätten wir nichts gedacht.
Noch wärmt die Sonne Haus und Stein,
noch duftet Heu im Abendschein;
doch hinterm Wald, kaum sichtbar schon,
steht Herbst wie eine leise Droh’n.
Und dennoch — welch ein schönes Land,
wenn Licht sich legt auf Weg und Rand,
wenn überm Feld der Bussard steht
und langsam seine Kreise dreht.
Der Sommer weiß, dass er vergeht,
doch klagt er nicht, wenn Wind entsteht;
er schenkt uns Frucht, er schenkt uns Licht
und hält sich für unsterblich nicht.
Vielleicht liegt darin mehr Verstand
als manches Menschen Wortgewand:
Wer reif geworden, hält nicht fest —
er gibt, bevor er gehen lässt.
So zieht der August still dahin,
voll Wärme, Abschied, Duft und Sinn;
und was uns eben noch gehört,
wird schön, sobald es nicht mehr währt.
© Timo Ertel, 2026