Timo ERTEL

Augustlied

Der August geht durch Wald und Feld,
mit Gold im Haar, mit Licht im Kleid;
als wär die ganze müde Welt
noch einmal schön für kurze Zeit.

Die Brombeerhecke trägt so schwer,
die Wespe taumelt süß berauscht;
vom Hügel kommt kein Lärmen mehr,
nur dass der Wind im Hafer lauscht.

Am Bach steht still die Silberweide,
ein Blatt fällt schon ins klare Blau;
der Sommer trägt sein Festgeschmeide
und morgens glänzt bereits der Tau.

Die Schwalben sitzen auf den Drähten
und halten Rat, wohin man zieht;
als könnten sie dem Herbst verraten,
dass man ihn kommen kommen sieht.

Noch duftet warm das Heu vom Rain,
noch glüht der Abend rot und sacht;
doch schleicht sich in den Sonnenschein
ein kühler Atem aus der Nacht.

O Sommer, sei nur nicht so eitel —
dein Gold gehört dir auch nicht lang.
Der Herbst steht schon am Feldrain seitlich
und wartet höflich auf den Rang.

So ist der August: reich und heiter,
voll Frucht, voll Licht, voll Übermut —
und heimlich zieht die Zeit schon weiter,
gerade dann, wenn alles ruht.

Vielleicht ist Reife nichts als Wissen,
dass Schönheit niemals bleiben kann;
wer sie bewahren will, muss missen —
und wer sie liebt, lässt irgendwann.

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